Länderwechsel! Es geht nach San Pedro de Atacama in Chile!
Früh am Morgen geht es in Salta zum Frühstück, was aber sehr bescheiden ausfällt. Wundersamerweise sind wir nicht die einzigen, die um 6 Uhr im kleinen Frühstückraum sitzen. Um 7 Uhr verlässt der Pullman-Bus Salta – la linda. Pullman hat eine Art Monopol für die Strecke Salta – San Pedro de Atacama. Daher ist die Auswahl recht einfach.
Unser Bus schaut von außen ganz in Ordnung aus, als wir uns setzen, merken wir aber wie durchgerockt die Kiste ist. Nun gut: T-10 Stunden und die Umgebung wird sehr eindrucksvoll. Neben uns sitzt eine Familie mit Kleinkind, die unmittelbar nach Abfahrt allesamt eingeschlafen sind. Wir sollten uns mal anpassen. Kurz war die Nacht.
Zunächst werden Meter gemacht. Genauer: Höhenmeter. Im Bus wird es immer ruhiger während wir die Serpentinen hinauffahren. Das Panorama ist der Wahnsinn und die Höhenmeter erreichen die 4000er Marke. Das Kleinkind neben uns weiß wohl gar nicht wie ihm geschieht. Der Druck in Ohren, Kopf und Bauch nehmen immer mehr zu. Es schreit und muss sich übergeben. Wir bieten unsere Taschentücher an und versuchen zu helfen. Aber auch wir merken, dass die Höhe uns zu schaffen macht. Der Ausblick ist atemberaubend, kurvige Bergstrecken mit einer spektakulären Aussicht. Mondlandschaften. Mehrfarbige Felswände. Riesige Vulkane. Dunkelblaue Lagunen.
Saludos Argentina – Hola Chile!
Bienvenidos in San Pedro de Atacama
Das Lithium und die Atacama Wüste
Ganz im Süden der Salzpfanne „Salar de Atacama“ befinden sich Lithium Minen. Als wichtiger Bestandteil der derzeitigen Akkutechnologie ist die Nachfrage nach dem Leichtmetall sehr groß. (Im Akku des Laptops, auf dem diese Zeilen entstehen, befinden sich ca. 200g Lithium). Ein Großteil des weltweit produzierten Lithiums kommt aus der Atacama-Wüste. Lithiumsalze sind hier in relativ hoher Dichte im Grundwasser gelöst. Für die Förderung wird die salzhaltige Sole in großen Mengen an die Oberfläche gepumpt und in die großflächigen Verdunstungsbecken geleitet, wo es verdunstet und die seltene Erde übrigbleibt. Für eine Tonne Lithium werden unglaubliche 2 Millionen Liter Wasser verbraucht! Der Grundwasserspiegel in der gesamten Gegend ist durch die Lithiumproduktion im Süden der Salar bereits signifikant gesunken!
Einmal heiße Schokolade und vier Sternschnuppen bitte
La Luna – der Mond
Unser Besuch war zeitlich so abgestimmt, dass der Mond eine möglichst geringe Lichtintensität ausübt, sprich noch nicht sichtbar ist. Aber die drei Stunden waren schnell vorbei und wir machen uns auf den Weg zurück zur Unterkunft. In der Küche brutzeln wir unser Abendessen um auch wieder etwas Wärme in den Körper zu bekommen. Die Nächte hier sind wirklich verdammt kalt. Um genau zu sein, waren es 3°C als wir draußen waren. Unser Nachbar hat noch eine weitere Überraschung für uns: Er hat sich ein Teleskop gekauft und lädt uns zum Sternegucken ein… Ach wirklich?!
Nun, wir haben lange nicht genug und schauen bei Lagerfeuer und netten Menschen vorbei. Nebenbei können wir uns den Mond mal ganz genau anschauen, denn der steht mittlerweile über uns! Ein Wahnsinns-Abend!
Valle de la Luna – Das Tal des Mondes
Zeit den Drahtesel zu besteigen um das Valle de la Luna zu erkunden. Bei unserer Unterkunft werden auch Fahrräder angeboten. Für den ganzen Tag zahlen wir 7000 Pesos pro Person und bekamen Fahrräder in wirklich gutem Zustand. Helme, Warnweste und Lichter gibt es dazu. Zunächst sind wir querfeldein weiter aus San Pedro rausgefahren, müssen den Rio San Pedro durchqueren und weiter durch die Steppe bis wir den Weg zum Informationscenter des Valle de la luna erreichen. Na, das war ja schon mal ein Ritt! Wir hätten es auch einfacher haben können und fünf Kilometer an der Schnellstraße entlang fahren… Einfach ist aber auf 2600 Höhenmeter doch auch öde.
Im Informationszentrum holen wir uns die letzten Infos, bezahlen den Preis von 2500 Pesos pro Person (3,25€) und erfahren, dass die Salzhöhle, Caverna de Sal, gesperrt ist. Bici & Baci (Helge & Ilka) radeln los durch eine Einöde, die bis zum Horizont reicht. Leichter Wind und es geht immer weiter bergauf. Auf einer Schotterpiste legten wir weitere sechs Kilometer zurück bis wir zu den verschiedenen Attraktionen im Tal gelangen. Diese kann man gar nicht verfehlen, weil immer ein Parkplatz davor ist.
„Tal des Mondes“ nennen die Chilenen die verdorrte Steppe der Atacamawüste, weil die weite Landschaft mit ihren grotesken Salzformationen an die Oberfläche des Mondes erinnert. Aufgrund der extremen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht ist hier fast keine Vegetation möglich und die Erde hat anstelle von Pflanzen kilometerweit Salzkrusten zum Vorschein gebracht. Die bizarren Formationen ragen über zwei Meter aus dem Boden – dahinter thronen mächtige Sanddünen. Die ganze Szenerie hier könnte auch auf dem Mars sein, in der Nachbarschaft zum Tal des Mondes befindet sich ja auch das Valle de la Muerte. Unsere Gastgeberin sagt, dass es eigentlich „Marte“ heißt, also vom Planeten Mars stammt. Andere wiederrum nennen es Death Valley und das trifft auf beide zu.
Ein Geheimtipp ist das nicht mehr! Die Naturschauspiele rund um San Pedro de Atacama sind unter Reisenden längst bekannt und es finden Touren zu sämtlichen Naturhighlights statt.
Ein Tipp von uns, wenn Ihr plant mit dem Fahrrad durch die Wüste zu fahren und möglichst unter Euch sein möchtet:
Die meisten Touren fahren mit Bussen durch die staubige Landschaft. Entweder morgens zum Sonnenaufgang (was uns aber definitiv zu kalt war) oder ab 14 Uhr. Und genau DAS ist für die Fahrradfahrer unter Euch der letzte Zeitpunkt um mit dem Rad in den Park zu kommen, denn ab 14 Uhr werden nur noch Bustouren hereingelassen!
Tres Marias – Die drei Marien
Zu den bekanntesten Formationen im Valle de la Luna zählen „Las tres Marias“ – die drei Marien. Es handelt sich um ein Wahrzeichen für das Mondtal. Die drei aufragenden Felsen sollen an betende Frauen erinnern – mit etwas Fantasie kann man es sich sicher vorstellen. Leider ist beim dritten Felsen ein Stück abgebrochen, von daher kann man die Formation nun noch schwieriger erkennen. Wir sind hier ganz alleine, umgeben von, ja von was? Von Salz, Stein, Sand und ganz viel nichts.
Mittlerweile sind wir 11 Kilometer durch das Mondtal geradelt und es ist Zeit den inneren Wasserhaushalt aufzufüllen und natürlich Zeit für ein Empanada. Dabei können wir in Ruhe die Umgebung auf uns wirken lassen. Es ist schwer, diese einzigartige Natur in Worte zu fassen und auch die Bilder zeigen nur einen Teil des eigentlichen Spektakels. Die unendliche Weite, die wir gesehen haben. Diese riesigen Gesteinsformationen in den schönsten Orange- und Rottönen. Eine lange Zeit sitzen wir einfach nur dort und saugen die Eindrücke in uns auf.
Mirador Achaches
Duna major
Wie geht’s denn weiter?
Fazit San Pedro de Atacama in Chile
Die Umgebung von San Pedro hat einiges zu bieten: die Geysire von Tatio, das Valle de la Luna, die uralten Festungsanlage Pucará de Quitor bis zu den heißen Quellen von Puritama. Glücklicherweise scheint sich dieser Ort mit seinen beschaulichen sandigen Straßen und den niedrigen (Lehm-)Häusern trotz der vielen Touristen nicht zu verändern. Das Leben der Einheimischen ist kaum präsent und spielt sich wohl in anderen Teilen der Stadt ab. Üblicherweise versuchen wir solche touristenüberflutete Orte zu umgehen, aber wir sind auch nicht wegen San Pedro de Atacama hergekommen, sondern um die Umgebung zu entdecken und anschließend nach Uyuni zu fahren. Unsere Unterkunft liegt etwa 20 Minuten Fußweg vom Zentrum entfernt, es war super ruhig und man kam etwas mit den Einheimischen etwas näher zusammen
