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Poring Hot Springs

Nach einer einzigen und kurzen Nacht in Kota Kinabalu wollen wir direkt weiter in die Berge. Genauer gesagt in den Mount Kinabalu Nationalpark und das kleine Örtchen Poring mit seinen Hot Springs. Bis nach Poring sind es etwa 120 Kilometer. Für einen Überblick der Transportmöglichkeiten schreiben wir das Tourist Office in KK an. Die Mitarbeiter dort antworten recht fix: Die Strecke können wir entweder mit einem Minibus oder einem Taxi zurücklegen. Ein Taxi scheidet allein wegen des Preises aus. Also Minivan. Doch der fährt leider nur bis Ranau. Dort sollen wir nach einem weiteren Bus nach Poring fragen oder uns ein Taxi nehmen. Nun ja, es bleibt uns nichts anderes übrig.

Wir stehen also um halb sechs auf, packen alles zusammen und tapern einen Kilometer bis zum Padang Merdeka. Das ist der Busbahnhof wo um 7 Uhr zig Minibusse auf Fahrgäste in alle möglichen Richtungen warten. Als wir an den ersten Autos vorbeikommen fragen die Fahrer der offiziellen und inoffiziellen Taxen wo wir hinwollen. Sobald wir unseren Zielort ausgesprochen haben, nennen sie uns ihren Fahrpreis. 200 Ringit hören wir mehrmals. Das entspricht etwa 42 Euro. Für europäische Verhältnisse eigentlich in Ordnung für 120 Kilometer. Vom Tourist Office wissen wir allerdings, dass wir für den Bus nach Ranau und die Busfahrt nach Poring maximal 80 Ringit zahlen müssen!

Als wir am Ranau-Minibus ankommen, fragen wir nach der Abfahrtszeit. Tja… Wir sind in Malaysia. Hier läuft das ein bisl anders: Der Bus fährt los, wenn alle Plätze besetzt sind! Also entwickelt sich ein kleines Gespräch mit dem Fahrer, damit wir herausfinden, mit wie vielen Personen der Bus voll ist und auf wie viele Mitfahrer wir noch warten müssen. Aktuell sind 3 von 13 Sitzplätzen besetzt. Wir überlegen kurz und schlendern zurück zu den Taxifahrern. Wir schaffen es tatsächlich mit einem der Fahrer 80 Ringit auszuhandeln. Yeah! Und wir müssen noch nicht einmal umsteigen.

Unsere kleine Farm auf malaysisch

Das Taxi lässt uns in Poring am Eingang zu den Hot Springs raus. Jetzt geht es über eine Schotterstraße und einen darüber fließenden Bach einige hundert Meter zur Kinabalu Poring Vacation Lodge. Als wir das weitläufige Grundstück erreichen eröffnet sich uns eine neue Welt. Eingerahmt in hochgewachsene grüne Büsche und Bäume stehen mehrere eingeschossige Häuser mit Giebeldächern. Die Gebäude sind mit kleinen überdachten Stegen verbunden. Auf dem Weg zum Haupthaus entdecken wir einen steinernen Fischteich und ein paar Gänse, die unter der auf Stelzen gebauten Veranda verschwinden.

Von Chua und Jenny, den Besitzern der Lodge, werden wir herzlich begrüßt und als erstes mit einer Tasse Kaffee und Tee versorgt. Bei der kleinen Führung zur Gemeinschaftsküche und unserem Zimmer zeigt Chua uns den Kakaobaum, der direkt vor unserem Zimmer wächst. Wahnsinn! Echte Kakaobohnen am Baum. Und daneben wächst ein Papayabaum. Wir sind sprachlos und können kaum glauben, in welcher kleinen Oase wir gelandet sind.
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Leider ist Helge seit gestern Abend ziemlich erkältet – Nase dicht, Kopfschmerzen, das volle Programm. Er ruht sich aus und ich erkundige das Gelände der Lodge, die mitten zwischen Gemüsefarmen liegt. Es gibt noch viel mehr Fische hier. Unterschiedliche Arten in unterschiedlichen Becken. Außerdem gibt es Hühner, Gänse, Enten und Kaninchen. Chua erzählt mir, dass sie vor kurzem noch mehr Kaninchen hatten. Leider hat sich einer der herumstreunenden Hunde sechs der Langohren geschnappt. Nun haben sie das Gehege so verändert, dass die Hoppelhasen sich in einem Labyrinth von Steinen verstecken können.

Chua ist ganz in seinem Element. Der ehemalige Lehrer ist in einem kleinen Dorf in Borneo aufgewachsen. Als Lehrer hat er in Kota Kinabalu gearbeitet und auch in England studiert. Inzwischen ist er pensioniert und froh wieder in einem beschaulichen Dorf zu wohnen. Er liebt es, wenn er Schulklassen zu Gast hat und ihnen etwas über die Tiere und das angebaute Obst und Gemüse beibringen kann. Sogar ein paar (stachellose) Bienenvölker gibt hier.

Poring

Das Wort Poring bedeutet übersetzt Bambus. Tatsächlich sehen wir hier überall viele Bäume, deren Stämme bei genauerem Hinsehen als armdicker Bambus zu erkennen sind.

Da es Helge am Nachmittag noch nicht besser geht, wollen wir abends nicht im einzigen Restaurant des Dorfes essen, sondern in der Gemeinschaftsküche der Lodge kochen. Für ein vitaminreiches und stärkendes Abendessen fehlt allerdings noch etwas Gemüse. Weil es in Poring selbst kein Geschäft gibt in dem ich Obst oder Gemüse kaufen kann, sind Chua und Jenny so lieb und fahren mit mir ein wenig durch die Gegend bis wir zu einer der typischen Ansammlungen von Verkaufsständen an der Straße kommen. Es ist eine tolle Erfahrung mit Einheimischen hier einzukaufen. Die Hütten haben alle fast das gleiche Angebot an Obst, Gemüse und sonstigen Lebensmitteln.

Das Abendessen wird eine Gemüsepfanne mit Kokosmilch. Von Jenny haben wir sogar noch etwas Reis, Kürbis und grüne Bohnen aus dem eigenen Anbau bekommen. Das Brutzeln mit dem extrem leistungsstarken Gaskocher ist auch ein Erlebnis. Das Ergebnis schmeckt auf jeden Fall.

Wanderung im Poring Hot Spring Kinabalu Park

Helge ist leider immer noch krank. Das Fieber ist zum Glück fast weg, aber eine Wanderung über Stock und Stein ist noch nicht drin. Also mache ich mich mit einem merkwürdigen Gefühl auf den Weg zum Hot Springs Nationalpark. Bisher haben wir auf dieser Reise alles zusammen gemacht und waren nie getrennt. Es fühlt sich nicht richtig an, allein loszugehen. Andererseits kann ich Helge nicht schneller wieder gesund machen, wenn ich neben ihm am Bett sitze. Außerdem hat er ohne mich mehr Ruhe.

Bevor ich in den Nationalpark komme, wandere ich vorbei an verschiedenen Plantagen. Besonders die Gummibäume haben es mir angetan. Dass ich diese ursprüngliche Kautschukgewinnung mal selbst sehen würde…

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Der Poring Hot Spring Kinabalu Park ist überschaubar. Es gibt einen einzigen Wanderweg im Park. Der führt zu einem etwa drei Kilometer entfernten Wasserfall. Auf dem Weg dahin gibt es mehrere Abzweigungen zu einem botanischen Garten, einer Schmetterlingsfarm und einem Baumwipfelpfad. Da mit mir zusammen gerade ein große Gruppe Touristen angekommen sind, hebe ich mir den canopy walk für später auf und wandere zuerst Richtung Wasserfall.

Den ersten klitzekleinen Wasserfall erreiche ich sehr schnell. Der Wegweiser kündigt eine Fledermaushöhle an. Spannend. Die 675 Meter zur Höhle sind sehr steil und ich brauche erstmal eine Verschnaufpause. Das kaum noch lesbare Schild empfiehlt den Wanderern ausdrücklich die Höhle nicht zu betreten. Mmh. Ich würde schon gerne einen Blick reinwerfen. Andererseits bin ich ganz allein unterwegs. Falls ich mir darin den Fuß breche oder sonstiges, dann wird mich wohl kaum jemand dort finden. Ach, allein zu wandern ist doof. Nicht aus Sicherheitsgründen, sondern weil Helge mir einfach fehlt. Ich denke an die vielen Reisenden, die allein auf Weltreise gehen. Davor habe ich in diesem Moment noch mehr Respekt, als ich es bisher hatte!

Allein habe ich keine Lust mehr den langen Weg zum Wasserfall zu wandern. Also umdrehen und zum canopy walkway. Hier ist leider noch eine extra Gebühr fällig und sogar meine Kamera muss Eintritt zahlen! Erfinderisch muss man sein… Der 41 Meter hohe Baumwipfelpfad besteht aus vier miteinander verbundenen Hängebrücken. Für den Rundkurs brauche ich eine halbe Stunde. Die Aussicht ist ganz in Ordnung. Es gibt in anderen Teilen der Welt sicher spannendere und spektakulärere canopy walks.

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Schließlich komme ich zurück zum Eingang zu den namensgebenden Hot Springs, deren schwefelhaltiges Wasser in diversen gekachelten Becken von den Besuchern für ein Bad eingelassen werden kann. Es soll besonders nach Wanderungen die Strapazen der Wanderer erträglicher machen. Viel gewandert bin ich zwar nicht, aber mit den Beinen ins „heilende“ Wasser eintauchen kann ja nicht schaden. Tatsächlich ist es extrem warm. Lange halte ich es nicht aus. Also ab in den Rock Pool nebenan. Hier ist das Wasser dann mal richtig kalt und erfrischend.

Schwerer Abschied

Helge geht es zum Glück besser und das Fieber ist ganz verschwunden. Zum Abendessen gibt es die Reste von gestern. Wir sind beide etwas traurig, dass wir nach zwei Nächten schon weiterreisen. In dieser Lodge fühlen wir uns einfach so wohl. Allerdings haben wir für die nächsten Nächte in Kota Kinabalu schon eine Unterkunft gebucht – und auch schon bezahlt. Doppelt bezahlen kommt nicht in Frage. Jetzt ärgern wir uns ein wenig, dass wir unsere Weiterreise schon fest geplant haben. Das nächste Mal doch wieder spontaner? Schweren Herzens reisen wir aus dieser Idylle ab und hoffen sehr, dass wir irgendwann noch mal an diesen tollen Ort kommen.

1 Kommentar zu „Poring Hot Springs“

  1. Pingback: Amed - atemberaubende Natur und Tempel | wir woanders

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