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Roadtrip Neuseeland – Die Catlins

Ab in den Süden – Auf zu den Catlins!

Nachdem wir den Sonnenaufgang am Ocean View Beach zusammen mit ein paar Möwen genossen haben, wird es Zeit für Müsli mit Kaffee & Tee. Tatsächlich hat sich die Crunchy-Müsli Variante, zusammen mit Kiwi als unsere liebste Mahlzeit zum Tagesbeginn etabliert. Warum? Es ist leicht, sättigend und zusammen mit Obst frisch und einfach lecker! Dazu kommt, dass in einem Camper die Spülmöglichkeiten begrenzt sind. Mittlerweile überlegen wir genau, wie wir unser Essen zubereiten können und das natürlich mit möglichst wenig Wasserverbrauch. Bald schrieben wir nochmal einen Bericht über Rezepte, die sich unserer Meinung nach super zum campen eignen….

Dem „einsamen“ Süden entgegen...

Auf geht’s es also Richtung Balclutha, dort stoppen wir kurz zum Einkaufen und Tanken. Mit der App „Gaspy“ können wir ganz einfach prüfen, wo wir günstig tanken können. Bei dem Verbrauch von Bronto sind wir uns noch nicht sicher, aber er wird bestimmt 11 Liter/100 Kilometer trinken. Eine heiße Dusche ist auch vorgesehen, aber nun ja… das Wetter ist einfach zu bombastisch und wir fahren Richtung Meer. Da kann man auch direkt ins Meer springen.

Bei Balclutha verlassen wir die Southern Scenic Route. Es geht in Richtung Küste, genauer zum Kaka Point. Hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten zum Anhalten und Aussichtspunkte. Das faszinierende an Neuseeland ist, dass das Wort „schön“ recht inflationär in den täglichen Sprachgebrauch eingebunden wird. Alles ist so schön, dass eine Steigerung recht schwierig ist. Auch sollte bei der Routenplanung die Anzahl an Aussichtspunkten (lookouts) berücksichtigt werden. So kann es mal passieren, dass wir für 100 Kilometer zwei Stunden benötigen.

Kaka- & Nugget Point

Vom Kaka Point geht es immer entlang an der Küste zum Wahrzeichen in dieser Gegend: der Nugget Point. Der Leuchtturm am Nugget Point ist wahrscheinlich der berühmteste und meistbesuchte Fotopunkt der Catlins. Vom weißen Leuchtturm an der Spitze des Kaps, genießen wir einen atemberaubenden Panoramablick auf das Meer und die zerklüfteten Felsen, die „Nuggets“ die aus dem Meer schauen. Noch idealer ist der Sonnenaufgang an diesem Kap, aber da waren wir ja noch in Brighton 🙂 Auf dem Rückweg zu Bronto sehen wir eine Seehundkolonie die sich auf den warmen Felsen in der Sonne aalt. Es ist auch wirklich fantastisches Wetter. Wir hatten tatsächlich mit dem Gedanken gespielt zur Cannibal Bay zu fahren, denn dort gibt es auch eine Seehundkolonie…

Das Miteinander mit Seehunden

Das DOC hat diverse Schilder aufgestellt, wie man sich den Seehunden nähern soll, da wir immer den einen oder anderen sehen, der das richtige Miteinander nicht beherzigt: Haltet immer einen Abstand von mindestens 10 Metern zu den Seelöwen ein. Auch sollten niemals schlafende Seelöwen geweckt werden (mögen wir selbst doch auch nicht gerne, oder?!). Man mag es kaum glauben, aber Seehunde sehen träge und behäbig aus, aber wenn die Tiere Witterung oder Ärger spüren, sind sie richtig schnell an Land!

Purakaunui Bay - Ein Traum!

Wir genießen pure Neuseeland Romantik auf der Fahrt. Seen, kleine grüne Hügelchen mit weißen Punkten (Schafe). Es geht auf diversen Schotterstraßen (gravel roads) zu dem bislang schönsten Campingplatz: die Purakaunui Bay Campsite.

Ein vom DOC betriebener Campingplatz, der wirklich nur das nötigste bietet: Trockentoilette und Regenwasser. Bezahlt wird bar in einer „honesty-box“. Hierbei wird Geld in einen Umschlag mit dem Autokennzeichen in eine Box gelegt, der Ranger schaut ab und zu vorbei, kontrolliert ob alle bezahlt haben und ob alles in Ordnung ist. Es wird also erwartet, dass die Camper ehrlich sind und sich entsprechend verhalten. Insbesondere in Bezug auf das Thema Müll! Auf den meisten DOC-Stellplätzen stehen keine Mülleimer zur Verfügung. Getreu dem Motto „leave no trace“, soll der eigene Müll wieder mitgenommen werden.

seehunde am Purakaunui Der Purakaunui Stellplatz befindet sich auf einer Rasenfläche, wenn wir die Heckklappe von Bronto öffnen springen wir direkt an den Strand. Dieser Ort ist einsam und atemberaubend schön. Die Klippen, dass Meer und wenn das nicht genug wäre: Seehunde! Insgesamt sind nur eine Handvoll andere Camper hier, wir können uns aber durchaus vorstellen, dass es in der Hochsaison voller zu geht.

Am frühen Nachmittag schlendern wir über den Strand und auf den Klippen. Die Seehunde haben sich auch einen anderen Platz gesucht und so kommen wir uns gar nicht in die Quere.
Ein Nachteil zu dieser Jahreszeit ist, dass es recht früh dunkel wird. Wie in Neuseeland üblich, kann das Wetter sehr schnell umschlagen. 4 seasons a day.

Bleiben oder fahren?

Es ist einfach zu schön und recht einsam. Die Wäsche wurde gestern gewaschen und heute Morgen werden wir von einem extrem kitschigen Sonnenaufgang überrascht. Es ist jedoch super kalt, speziell in der Nacht. Leider regnet es sich langsam ein. Wir entscheiden uns noch eine Nacht hier in der Puraukaunui Bay zu bleiben. Wir kramen unsere Teekerzen raus, die Bücher werden bereit gelegt und eine große Kanne Tee aufgesetzt, während der Regen auf unser Dach trommelt.
Nach einem regnerischen Tag erholt sich das Wetter am Abend zum Glück wieder. Am späten Abend können wir die Sterne über uns betrachten. Zeit für Kamera & Stativ. Das Himmelszelt hier in Neuseeland ist einzigartig.
Am nächsten Morgen verlassen wir diesen sorgenfreien Platz. Aber nicht ohne, dass wir noch auf einen Gang zum Strand machen. Tatsächlich finden wir einen Seehund der sich undercover zwischen den Klippen sonnt. Man kann ihn wirklich nicht so leicht erkennen, so sehr hat er sich mit Sand eingerieben.

Bronto wird startklar gemacht und es geht zu den Purakaunui Falls. Ein Bilderbuch Wasserfall. Nicht spektakulär hoch, aber recht breit!

Die Purakaunui Fälle sind sehr leicht zu erreichen. Am Catlins Lake von der Southern Scenic Route links abiegen und weiter fahren auf der Purakaunui Falls Road. Vom Parkplatz sind es nur 5-10 Minuten zu Fuß durch den Wald zu den Purakaunui-Wasserfällen.

Oh Schreck - Ilkas Wanderschuhe sind weg!

Ilkas Wanderschuhe stehen wohl noch an der Campsite…. also fahren wir zurück und hoffen, dass sie dort immer noch stehen. Es sollen ja ehrliche Menschen hier sein… Wäre ja auch wirklich ärgerlich. Beim finalen ausbesen von Bronto hat Helge die Schuhe rausgestellt, und wohl irgendwie vergessen sie wieder reinzustellen… Tatsächlich wurden die Schuhe an den Schnürsenkeln zusammengebunden und über den Zaun am DOC-Schild gehängt. Klasse und große Erleichterung bei uns!

Zweiter Anlauf. Es geht zur Purpoise Bay auf dem Weg könnten wir am liebsten alle fünf Minuten anhalten, z.B. am Florence Bay Lookout. Der Aussichtspunkt liegt direkt an der Southern Scenic Route. Wir können also bequem mit dem Auto parken und den Ausblick genießen.

Mittag wird am Curio Bay gemacht. Die Porpoise Bay ist das zu Hause eines extrem seltenen Meeresbewohner: In der Bucht lebt eine Schule Hectordelfine. Der Hectordelfin, die seltenste Delfinart Neuseelands! Leider haben wir keine gesehen. Die seltenen Tiere ziehen in der Bucht ihre Jungen groß, die neugierigen Zweibeiner stressen sie dabei oft ziemlich. Wenn du lange genug still hältst und geduldig bist, werden sie sich dir aus freien Stücken nähern! Im Sommer sind die Delfine ständig in der Bucht zu sehen, im Winter allerdings nur sehr selten.
petrified forest Außergewöhnlich ist auch der Petrified Forest. Der Petrified Forest ist einer der Top-Spots fürs Penguin-Watching in der Curio Bay – und ein spektakuläres Naturwunder.

Vor ca. 170 Mio. Jahren löschte eine Flut aus vulkanischem Schlamm hier einen Küstenwald aus. Umgerissene Stämme und Stümpfe der prähistorischen Farne und Bäume wurden unter dem Schlick begraben und versteinerten. Die Überreste des Waldes haben eine unfassbar lange Zeit überdauert und sind noch heute zu sehen.

Ein persönliches Highlight an diesem Tag: eine heiße Dusche erwartet uns! Denn hier beim Catlins Surf & Accomodation stehen Duschen für wenig Geld bereit. Am besten fragt ihr beim Café am Parkplatz nach. Frisch duftend fahren wir zum heutigen Stellplatz: freedom camping im DOC Camping ground „Slope Point“.

Verkehr regeln - Seehund auf Abwegen

Doch vorher gibt es noch ein Natur-Schauspiel zu bewandern:

Wir fahren an einem kleinen See (The Reservoir) entlang auf der Haldane-Curio Bay Road. Vom Beifahrer-Sitz aus erkennt Helge im Schilf einen Seehund. Wir halten an, steigen aus und der kleine Gefährte kommt aus dem kühlen Nass zu uns. Tatsächlich sind hier Mutter und ihr aufgewecktes Junges zu Hause. Klein Robbie ist so neugierig und stiefelt direkt auf uns zu. Helge stellt sich auf die Straße und regelt den Verkehr, so dass die Autos langsamer fahren denn mittlerweile findet Robbie die Reifen von Autos sehr interessant. Innerhalb kürzester Zeit bildet sich ein kleiner Sightseeing-Stau. Bis ein DOC-Ranger auftaucht. Wir schildern ihm die Lage und das die Mutter nicht weit weg im Wasser weilt. Zusammen treiben wir Robbie zum Wiedereinstieg ins Wasser. Zu gefährlich ist die Landstraße für den kleinen Kerl.

Slope Point – das windige Ende der Welt

Dass der Hafenort Bluff der südlichste Punkt der Südinsel ist, ist ein Irrglaube. Tatsächlich ist es Slope Point, eine abgeschiedene Landspitze in den Catlins. Hier unten am „Ende der Welt“ gibt es nichts weiter als einige verstreute Farmen, hügeliges Weideland und grasende Schafe. Zum südlichsten Punkt Neuseelands führt ein kurzer Spazierweg über eine Schafweide, bis an die Klippen. Der südlichste Punkt Neuseelands ist recht unspektakulär aber was soll man auch erwarten? Wir schlendern über die Wiese zum Meer und genießen die Aussicht und das tobende Meer. Für die verwunschene Atmosphäre sorgen nicht zuletzt die skurrilen Bäume, für die der Slope Point noch bekannter ist, als für seine geografische Lage:

Weil der Wind hier scheinbar nur aus einer Richtung bläst, wachsen die Bäume hier ausnahmslos in Windrichtung, bis hin zum letzten Blatt! Es sieht aus, als wäre für diese zähen Gewächse mitten im letzten Sturm die Zeit angehalten worden!
Waipapa Lighthouse Wir satteln Bronto und tuckern zum Waipapa Leuchtturm und diversen Aussichtspunkten. Das Waipapa Point Lighthouse ist ein noch in Betrieb befindlicher Leuchtturm. Bis Mitte der 70er Jahre wurde das Leuchtfeuer noch manuell von einem Leuchtturmwärter betrieben.

Der Grund für den Bau des Waipapa Leuchtturms: Die SS Tararua – Der Untergang des Schiffes 1881 war das größte Schiffsunglück Neuseelands – über 130 Personen sind gestorben. Das Wrack kann auch bei Ebbe im Meer entdeckt werden.

Goodbye Catlins – Hello Southland oder doch Fjordland?

Über kleinere Ortschaften geht es hinein in die Stadt. Invercargill ist unserer Meinung nach nur einen kurzen Stopp wert. Andersherum müssen wir zugestehen, dass wir nur nach Brontos Füllständen geschaut haben und Wasser und Öl aufgefüllt haben bis es weiter in die Einsamkeit geht. Uns ist nicht wirklich nach Stadtlärm und Gewusel zu Mute. Allerdings sind wir auch unschlüssig!

Soll es weiter Richtung Southlands Küste oder doch bereits nach Te Anau oder doch nach Wanaka gehen… Hach! Während Bronto sich mehrere Runden im Kreisverkehr tummelt, spielen Ilka & Helge Schnick-Schnack-Schnuck.

Mit rock-scissor-paper haben wir schon so manche Entscheidung gefällt. Zack, die Bohne! Es geht zum Monkey Beach. Verdammt! Eine Schande, wenn wir diesen Platz nicht angefahren hätten! Aber das wussten wir ja noch gar nicht…
Südlich des kleinen Ortes Orepuki findet ihr in Pahia ein kleines Juwel auf der Südinsel von Neuseeland – Monkey Island! Die Landschaft hier ist einfach wunderschön. Ähnlich wie in Purakaunui. Wirklich beeindruckend an Monkey Island ist, dass ihr die Insel bei Ebbe besuchen könnt. Man geht nur wenige Minuten über den Strand über diverse Steine und passt auf, dass das Wasser einem mit der kräftigen Strömung nicht aus der Balance bringt. Nach ein paar steilen Treppenstufen führt ein kleiner Weg auf die Spitze der kleinen Insel. Auf der Insel selbst gibt es nur einen kleinen schmalen Pfad zum Lookout. Während der Zeit auf Monkey Island sollte man immer den Wasserstand im Auge behalten, ansonsten wird der Rückweg nass.
Mit unseren Nachbarn Shana & Jasper aus Belgien verstehen wir uns auf Anhieb sehr gut und am nächsten Morgen wird die deutsch-belgische Kooperation getestet. Bronto aus Neuseeland hat entscheiden zu streiken und möchte wohl eine Auszeit nehmen. Der Motor will partout nicht anspringen. Der Anlasser läuft, aber es tut sich nichts in Brontos Innern. Schnell finden sich liebe Menschen aus aller Welt, die Bronto gemeinsam anschieben. So schieben wir den alten Gefährten, der sich immer noch ausruht. Keuchend kommen wir zu Paul, der mit seinem Zelt am Ende der Campsite steht.
engine Toyota HiAce 2004 Paul aus Picton kennt das Modell ganz gut und schaut sich die Zündspule an. Scheinbar spring der berühmte Funke nicht über. Auch ist die Zündspule nicht optimal eingestellt. Feuchtigkeit begünstigt das Ganze noch und davon haben wir hier am Meer ja bekanntlich mehr. Sein Tipp: Motorhaube (in Brontos Fall die Sitzbank im Cockpit) öffnen und die Zündspule in die Sonne trocknen. Schnell kommt noch ein anderer Kiwi mit einem mobilen Lüfter. Rund-um-Sorglos-Behandlung Bronto und für uns! Wahnsinnig nett und toll wie unkompliziert die Menschen einem hier helfen.
Wir unterhalten uns mit Paul, der eigentlich schon Paragliden wollte. Er bietet Ilka sogar einen Mitflug an, wenn die Windverhältnisse besser wären. Während Bronto in der Sonne eine Pause einlegt, versuchen wir die Hotline von Wendekreisen zu errreichen. Paul ist der Meinung, dass es bei feuchtem Wetter immer wieder passieren wird, wenn wir nicht zu einer Werkstatt fahren. Als wir mit einem Mitarbeiter sprechen und er uns bittet nochmal den Motor zu starten, scheint es als das Bronto der Stimme seines Herrn gehorcht. Der Motot schnurrt wieder als wenn nichts gewesen wäre… Dennoch verunsichern uns die Zweifel von Paul!
Wie es weiter geht und ob wir nun eine andere Richtung zur Werkstatt einschlagen müssen, erfahrt Ihr bald im nächsten Bericht!

Die Catlins werden von vielen Neuseeland-Besuchern kaum eines Blickes gewürdigt – mach diesen Fehler nicht und lasst euch diese unterschätzte Idylle nicht entgehen! Wenn du mit Hector-Delfinen surfen, Pinguine beobachten oder einfach nur idyllische Einsamkeit genießen willst – auf in die Catlins!

2 Kommentare zu „Roadtrip Neuseeland – Die Catlins“

    1. Dankeschön 🙂 Bei den Kulleraugen kann man ja gar nicht anders, oder? Die Sonnenuntergänge da unten waren wirklich traumhaft. Liebe Grüße in die Heimat!

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