East Bay Campsite

Roadtrip NZ – East Cape und Bay of Plenty

Vom East Cape und entlang der Bay of Plenty – Doch der Reihe nach:
Mit Meeresrauschen und Sonnenschein wachen wir am Tolaga Bay Campsite auf. Herrlichstes Wetter und wir packen unsere Sachen zusammen. Über Nacht haben zwei Mädels mit ihren Rädern unweit von Bronto ihr Zelt aufgeschlagen. Zeit für einen Plausch, übers Radfahren, das Reisen und wie es weitergeht. Als Fazit kann man wieder mitnehmen: Wir sind bestimmt nicht die einzigen die ihren Job gekündigt haben und durch die Welt ziehen. Auf unterschiedlichste Weise wird klar, dass jeder eine andere Art zu Reisen hat. Die zwei haben sich in Tauranga an der Bay of Plenty Räder gekauft und radeln nun über die Nordinsel. Danach geht es nach Australien und wir erzählen von unserem Roadtrip. Tatsächlich fahren die zwei auch mit einem Camper durch Australien, ab Melbourne, mit dem Unterschied, dass die zwei unter 30 Jahre jung sind und ein work-visa erhalten und somit ihre Zeit finanzieren können.

Geschichtsstunde hautnah - Cook Cove walkway

Die Zeit verfliegt und nach gut anderthalb Stunden fahren wir zum Cooks Cove Walkway. Dies ist ein netter Wanderweg durch einen Wald und führt über Farmland bergauf und bergab. Während der Lammsaison kann es durchaus passieren, dass der Weg gesperrt wird. Nachdem wir den ersten Aussichtspunkt erreicht haben führen viele Treppen durch dichten Wald mit Silverfern und Nikau Palmen. Nach kurzer Zeit überqueren wir eine große Wiese, am Horizont erwartet uns das Meer. Und wir erreichen ein Stück Geschichte:
An diesem Ort, Opoutama (Cooks Cove) landete James Cook am 23. Oktober 1769 mit der Endeavour aus der Poverty Bay, also Gisborne kommend. Sein zweiter Versuch sollte erfolgreicher sein: Auf der Suche nach Lebensmitteln und Wasser für die Besatzung wurde er hier fündig. Daher auch der Name: Bay of Plenty – Bucht des Überflusses. Den Aufzeichnungen von Cook zufolge war die Begrüßung der ansässigen Maori freundlich. Sie kamen mit Kanus und brachten Fisch und Kumara (Süß-Kartoffeln) zur Begrüßung. Die Besatzung soll von der Kultur der Maori und der Schnitzkunst und deren langen Kanus beeindruckt gewesen sein. Joseph Banks, Botaniker auf der Endeavour, war aber von etwas anderem beeindruckt: „Die Hügel mit den Wiesen und etwas anderes außergewöhnliches. Ein Bogen oder eine Höhle durch die Wand eines Felsens“ so soll Banks die heute als Hole-in-the-rock-Formation beschrieben haben.
Schon ein Stück Geschichte auf dem wir uns hier bewegen. Wir wandern wieder zurück zu Bronto. Insgesamt haben wir ungefähr zwei Stunden für diese Geschichtsstunde benötigt.

Paua gefällig?

Kulinarischer Zwischenstopp in Tokomaru Bay im Café 35. Ein heißer Tipp für alle, die Pies so gern mögen wie wir, denn hier gibt es neben den Klassikern auch exotische Sorten wie Hammel-Curry sowie Paua. Letzteres ist wirklich nicht so häufig zu finden. Dabei gehört die Paua-Muschel zu Neuseeland wie Schafe und Tui. Die Paua Muschel, oder auch Seeohr genannt, findet man in Neuseeland sehr häufig als Schmuck oder Zierobjekt, hierfür wird das perlmuttartige Innere der Muschel verarbeitet. Insbesondere in der Kultur der Maori werden Paua genutzt z.B. als Augen im Tiki oder als Verzierungen an einem Marae. In diesen Pies wird gehacktes Paua, also Muschelfleisch, gefüllt– anders aber köstlich!

cross-over in Tikitiki

Gestärkt geht es weiter nördlich nach Tikitiki. Hach, diese Namen sind einfach verrückt, herrlich skurril. Nun also Tikitiki. Was hat dieser Ort zu bieten? Ehrlich gesagt nicht viel, außer einer Kirche, die wirklich außergewöhnlich ist. Die Marienkirche hat beim Bau 1924 das Ziel gehabt die Kunsttraditionen der Maori zu bewahren. Das Ergebnis ist verblüffend schön. Die traurige Geschichte ist, dass die Kirche bereits zwei Jahre später als Denkmal für die im ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten des Iwi (Stamm/Tribe) Ngāti Porou geweiht wurde.
Cove Walkway East Cape Schon von außen sind schöne Maori Schnitzereien zu erkennen und beim Betreten wird ganz schnell klar, dass die Dekoration das Verschmelzen zweier Kulturen ist. Die Struktur ist typisch europäisch, aber das aufwendig geschnitzte und dekorierte Interieur ist typisch Māori. Die Kirche wurde von lokalen Ngāti Porou Tischlern geschnitzt. Weber von Ngāti Porou vervollständigten das Tukutuku (gewebte Tafeln). Die verzierte Kanzel war ein Koha (Geschenk) des Stammes der Te Arawa an die Kirche. Die Gedenktafel in der Kirche listet Namen von Soldaten aus der Region auf, die in den Weltkriegen ihr Leben verloren haben. An der Ostwand befindet sich ein Denkmal für Sir Apirana Ngata, der maßgeblich in den 1920er Jahren die spektakuläre Inneneinrichtung geplant und überwacht hatte. Sein Ziel: Die aussterbenden handwerklichen Fähigkeiten der Maorikunst wiederzubeleben. Das ist ihm durchaus gelungen!

Tief im Osten… - Das East Cape

Am frühen Nachmittag erreichen wir das kleine und unscheinbare Örtchen Te Araroa. Bereits auf der Fahrt, so ab Gisborne fällt hier im Eastland auf, dass der Tourismus sich in anderen Teilen Neuseelands mehr ausgebreitet hat. Fluch und Segen, für uns aber super entspannt. Was ebenfalls auffällt, die Maori Kultur ist hier präsenter als in vielen anderen Teilen Neuseelands. Berücksichtigt werden sollte vor allem, dass der nötige Respekt vor Kultur und Menschen, also Maori, gewahrt wird und nicht vor jedem Marae die Fotoausrüstung ausgepackt wird. Aber der Reihe nach.
Eigentlich wollten wir nachdem wir Te Araroa erreicht haben direkt zum Campingplatz fahren. Der East Cape Campsite liegt bereits auf der Schotterstraße zum Leuchtturm und das Wetter ist fabelhaft. Warum also bis morgen warten und eventuell in dicken Wolken dorthin fahren? Nach 20 Kilometer gravel road (Schotterstraße) und vorbei an Herden freilaufender Pferde erreichen wir den East Cape Leuchtturm.

Fassen wir kurz zusammen: In den Catlins waren wir am südlichsten Punkt- und am Point Farewell am nördlichsten Punkt der Südinsel Neuseelands. Nun haben wir nicht nur den Östlichsten Punkt erreicht, sondern auch den östlichsten Leuchtturm der Welt! Sprich: An diesem Ort erscheint das erste Licht eines jeden neuen Tages, naja, jedenfalls in Neuseeland. Verrückt und dennoch nur eine Zahl.
Leicht bewölkt und tatsächlich ganz alleine erklimmen Ilka & ich die 755 Stufen die zum Leuchtturm hinauf führen. Der Leuchtturm selbst ist nicht öffentlich zugänglich, die Aussicht von dort oben aber wirklich sehr schön und eben einsam. Nur hier und da hört man ein Wiehern und vor allem das Meeresrauschen. Wie genießen den Ausblick für einige Zeit und warten bis die Sonne untergeht. Anschließend geht es zurück zu Bronto der uns zum East Cape Campsite bringt.

Diese Campsite ist eigentlich eine große Wiese auf der Kühe weiden und ihre Tretminen verteilen. Dazu gibt es noch zwei Hütten in dem die WCs und Duschen untergebracht sind. Der Betreiber des Platzes heißt Liam, ist hauptberuflich Schäfer und hat sein ganzes Leben am East Cape verbracht. Die meiste Zeit verbringt er wohl mit seinen Schafen, da die Gebühr per „Honsty Box“ bezahlt wird.

First light – Sonnenaufgang am East Cape

Wir wachen im Dunklen auf und packen unsere Sachen, satteln Bronto und machen uns wieder auf den Weg in Richtung Leuchtturm. Ziel: Den Sonnenaufgang genießen. Diese Idee hatten wohl mehrere, da wir diverse Rücklichter entlang der Straße sehen. Als wir am Kliff entlangfahren, ändern wir unseren Plan und halten genau hier an, anstatt auf den Leuchtturm zu tigern. Zum einen ist die Aussicht hier noch besser auf das offene Meer und zum anderen sind wir unter uns. Ja, wir sind auch ein wenig zu spät dran und wollen uns nicht um 6 Uhr morgen unnötig abhetzten…
Ein weiterer Vorteil ist: Während wir dem „magischen“ Moment entgegenfiebern und die Kameras auf die Stative stellen, setzt Ilka heißes Wasser für den ersten Kaffee & Tee des Tages auf. Das hätte es dort oben nämlich auch nicht gegeben. Ja, wir sind verwöhnt… Erleuchtet vom ersten Licht des Tages und nach vielen „aahhs“ und „ooohhs“ geht es wieder zur Campsite. Hier wird gefrühstückt, bevor es weiter in Richtung Opotiki geht

Māori Kultur, hautnah

Cove Walkway East Cape Erster Halt in Whangaparaoa. Laut Maori Mythologie legten hier die ersten Waka, also Ahnen-Kanus der Maori (Te Arawa & Tainui) auf Aotearoa an. Für Pakeha (Europäer oder Weiße) ist dieser Ort wohl eher unspektakulär. Die Aussicht auf die Landzunge und das Meer ist aber bestimmt einen Stopp wert.

40 Kilometer westlich von der Hicks Bay, also von dort wo wir heute Morgen gestartet sind halten wir in Raukokore an. Hier, direkt am Meer steht die schneeweiße anglikanische Kirche. Ein kleiner bezaubernder Ort zum Pause machen und bestaunen.

Weiter geht’s! Wir halten länger in Omaio, da uns beim vorbeifahren ein außergewöhnlich schönes Marae auffällt. Dieses Marae bestaunen wir mit Ehrfurcht da die Schnitzkunst wirklich beeindruckend ist.

Was ist denn ein Marae?

Einzigartig für die Māori-Kultur ist ein Marae . Der Marae ist ein gemeinschaftlicher und heiliger Treffpunkt, der alles von Ess-, Schlaf-, Religions- und Bildungseinrichtungen bietet. In westlichen Begriffen gibt es keinen Vergleich oder gleichwertiges Gebäude, das jeden dieser Aspekte verkörpert, weshalb Marae für zeitgenössische Māori so vorrangig sind. Kurz umschrieben handelt es sich um ein Versammlungsort, doch die Kultur ist weitaus komplexer. Die einzelnen iwi, tribalen Gesellschaften, versammeln sich, um gemeinschaftlich unter einem Dach zu essen und zu schlafen. Eine Kernfamilie, wie wir sie in der westlichen Welt kennen, war damals nicht existent. Wegen der städtischen Migration der Māori in den 1960er Jahren, leben die Māori nicht mehr in erster Linie in Marae. Während das Leben in der Gemeinschaft abnimmt, spielt das Marae immer noch eine wichtige Rolle in der modernen Māori-Gesellschaft. Marae werden immer noch für eine Vielzahl von kulturellen Ritualen verwendet, einschließlich Geburtstage und Hochzeiten, doch das wichtigste Ritual ist die tangihanga, die Beerdigung.

Es gibt immer wieder schöne Stellen zum Anhalten, Fotos machen und um einfach die Landschaft mit Küste und Meer zu genießen. Der Magen knurrt langsam und Kaffee-Durst macht sich breit. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir uns auf den folgenden Ort eingestellt hatten. Macadamian Nuthouse Café in der in der Wharanua Bay. Oh ja! Macadamia, die Königin der Nüsse, und dann soll es dort alles im Überfluss, gepaart mit feudalen Leckereien geben. Yummy. Aber, wir stellen fest, dass wir in der Offseason unterwegs sind und das Café leider geschlossen hat. Ein wenig enttäuscht setzen wir die Fahrt fort.
Wir erreichen die Ortschaft Opotiki. Erstes Ziel: Die i-Site! Nicht um uns mit Informationsmaterial zu versorgen, sondern um hier eine heiße Dusche zu genießen. Bei der Campsite am East Cape gab es nur kalte Duschen und bei den aktuell herrschenden Temperaturen, insbesondere nachts, geht das mal gar nicht. Erst danach gibt es den langersehnten flat white für Helge.

Rechereche & Archiv - in Opotiki

Gestärkt fahren wir zur Bücherei in der es gutes WiFi gibt. Die Zeit nutzen wir für weitere Planungen, Wetterchecks und diesen Blog hier um dann am Abend zum heutigen Stellplatz für Bronto zu fahren: Maraetotara Reserve. Ein „Umsonst-Stellplatz“ direkt am Meer zwischen Ohope und Whakatane mit Ausblick auf White Island und seinem rauchenden Vulkan. Der verschwimmt allerdings immer mehr im Regen, denn mittlerweile regnet es ununterbrochen. By the way: Bronto hat wieder ein dichtes Haupt und Helge kann sein Stativ wieder normal nutzen J

Dauerregen und Planänderung zum Mt. Maunganui

Auch am nächsten Morgen regnet es ununterbrochen, dies soll auch hier an der Bay of Plenty eine Zeit lang bleiben. Daher ändern wir unseren Plan, der eigentlich mit einem Besuch am „Mount“ geplant war. Den Mount Maunganui haben wir vor fünf Jahren bereits „erklommen“ und bietet eine fantastische Aussicht auf die Stadt Tauranga. Tauranga selbst bietet so einiges und kann auch hervorragend als Ausgangspunkt für Erkundungen in die Coromandel Halbinsel genutzt werden. Doch bei diesem Wetter macht irgendwie alles nicht so richtig Spaß. Entsprechend stellen wir die Scheibenwischer eine Stufe höher und durchqueren die Regenfront, hoffentlich.

East Cape Auckland durchqueren wir sehr schleppend, der Highway ist eine Großbaustelle. Zum Glück hat der Regen aufgehört und die Sonne neigt sich. Sehr beeindruckend ist dann das Überqueren der bekannten Auckland Harbour Bridge mit Blick auf das City Center und das Wynyard Quartier. Unsere Campsite liegt etwa 30 Kilometer nördlich von Auckland, genauer im Long Bay Beach Erholungsgebiet. Direkt am Meer gelegen, wir kommen im Dunklen an und sind ziemlich geschlaucht von den 350 Kilometer die wir heute abgerissen haben, insbesondere vom Superstau vor Auckland der uns alleine zwei Stunden gekostet hat. Wehmütig, dass wir nicht in Tauranga Halt gemacht haben, froh, dass wir aber mehr Zeit hier im Northland haben.

Habt Ihr das East Cape bereits besucht und wie hat es Euch gefallen? Wo habt Ihr den ersten Sonnenstrahl in Neuseeland erlebt? Schreibt und oder hinterlasst einen Kommentar!

2 Kommentare zu „Roadtrip NZ – East Cape und Bay of Plenty“

  1. Oh ja, am East Cape waren wir 2011 auch… einfach superschön da und vor allem eben nicht so überlaufen wie sonst so in Neuseeland.

    LG aus dem hohen Norden,
    Hartmut

    1. Kia Ora Hartmut! Hier hat es uns auch sehr gut gefallen, insbesondere auch dass es nicht so überlaufen ist und die Maori Kultur die tatsächlich allgegenwärtig ist. Liebe Grüße von Ilka & Helge

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