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Salta – la Linda

Salta ist unser neues Ziel: Salta – la Linda. Die Schöne!

Na, da sind wir gespannt, wie uns die Provinzhauptstadt im Nordwesten von Argentinien gefällt. Allerdings müssen wir erstmal hinkommen! Puerto Iguazu liegt im Nordosten des Landes und wir sind 1500 km von Salta entfernt. Wir nehmen also die Herausforderung an und begeben uns auf eine 25-Stunden-Busreise!

25-Stunden Busfahrt von Puerto Iguazu nach Salta

Nach einem letzten leckeren Frühstück in Puerto Iguazu schultern wir unsere Rucksäcke und gehen die zehn Minuten bis zum Busbahnhof. Der Bus vom Unternehmen Horianski kommt pünktlich und wir geben unsere großen Rucksäcke am Gepäckfach ab und steigen ein. In die obere Etage auf die Plätze 1 und 2. Wir sitzen oben ganz vorne. Yeah! Der Panoramablick ist der Hammer. Allerdings ist es auch sehr wackelig hier oben. Und sehr warm. Die Sonne scheint und die Vorhänge helfen nur bedingt. Mmh. Es gibt immer zwei Seiten der Medaille…

Die USB-Anschlüsse an unseren Sitzen funktionieren leider nicht, doch am Nachbarsitz können wir unsere Handys aufladen. Dieses Mal haben wir keine Cama-Sitze (Liegesitze), sondern nur semi-Cama. An diesen Sitzen lässt sich die Rückenlehne nicht ganz so weit nach hinten stellen.

Nach knapp 5 Stunden kommen wir in Posadas am Busbahnhof an. Hier müssen wir aussteigen und den Bus wechseln. Wir haben eine Stunde Aufenthalt bis zur nächsten Abfahrt. Wir sind ziemlich froh, dass wir uns ein wenig die Beine vertreten können, denn im nächsten Bus werden wir den Rest des Tages und die kommende Nacht verbringen! Wir laufen ein bisschen am recht unspektakulären Busbahnhof herum und besorgen uns ein paar kalte Getränke.

Der nächste Bus ist ein Flechabus. Mal schauen, ob die Fahrzeuge von diesem Unternehmen besser ausgestattet sind… Leider nein. Keine USB Buchsen. Kein Wifi. Keine Kissen, keine Decken. Und die Vorhänge… naja… ob da welche hängen oder nicht… Na das wird eine Fahrt. Es gibt offensichtlich große Unterschiede bei den Busunternehmen!

Die Sitze sind zum Glück relativ bequem und später wird ein in Frischhaltefolie gewickeltes recht pappiges Sandwich mit Crackern serviert. Unser Abendessen. Zum Glück haben wir zusätzlich mit eigenen Lebensmitteln vorgesorgt. Die Nacht ist extrem unruhig. Das liegt nun nicht am Bus, sondern an den schlechten Straßen. Einige Abschnitte der Strecke strotzen vor Schlaglöchern und manchmal fahren wir sogar über Lehmboden.

Gut durchgeschaukelt wachen wir auf. Das Frühstück besteht wieder aus einem Styropor-Frischhaltefolie-Pack: Kekse, Cracker und Mini-Butterkekse. Besser als nichts. Inzwischen haben wir unseren argentinischen Sitznachbarn kennengelernt. Er ist in der Nähe von Salta aufgewachsen und gibt uns ein paar Sightseeingtipps mit auf den Weg. Mit einer halben Stunde Verspätung kommen wir um 10 Uhr morgens in Salta an. Zu Fuß sind es zum Glück nur fünf Minuten bis zu unserem Hostel.

Siesta in Salta!

Wir checken ein im Hostal Bernardo und nutzen erstmal die Dusche. Danach in Ruhe einen Kaffee und Tee auf der kleinen Sonnenterrasse des Hostels. Jetzt sind wir nach der Nacht im Bus einigermaßen wiederhergestellt. Bereit um Salta zu erkunden. Mit dabei haben wir einen Beutel mit unserer Wäsche und steuern erstmal die nächste Wäscherei an. Leider ist die gerade geschlossen. Ach, da war ja was: Siesta! Wir sind eben in Südamerika und außerdem nicht mehr in einer Millionenstadt wie Buenos Aires unterwegs. Hier wird die Siesta – die spanische oder auch südamerikanische Mittagspause – gelebt! Die Wäscherei hat deshalb von 13 bis 17 Uhr geschlossen. Dann kommen wir eben später wieder.

Von unserem Hostel spazieren etwa eine Viertelstunde bis in die Innenstadt zum zentralen Platz, dem Plaza 9 de Julio. Die Städte in Argentinien sind übrigens fast immer gleich aufgebaut. Im Zentrum gibt es einen quadratischen Platz. Um den herum sind die wichtigsten Gebäude wie Kirche, Rathaus, Museum etc. platziert und das Strassensystem ist meist in ebenfalls quadratische Blöcke unterteilt. Wir finden uns hier ziemlich schnell und gut zurecht.
In der Nachmittagssonne machen wir eine Kaffeepause und schauen dem Treiben um uns herum zu bevor wir endlich unsere Wäsche abgeben können. Am Abend suchen wir uns eine Parrilla. Dank Uli kennen wir uns ja super aus und fallen später satt und zufrieden ins Bett.

Sightseeing mit der Free Walking Tour

Gestern sind wir schon einmal durch Salta geschlendert, heute machen wir richtiges Sightseeing. Um 10 Uhr nehmen wir an der „Salta Free Tour“ teil. So heißt die Free Walking Tour hier. Treffpunkt ist am Plaza 9 de Julio in der Innenstadt. Das Konzept ist das gleiche wie in Melbourne, Sydney, Auckland. Die Führung ist umsonst bzw. basiert auf Trinkgeld für den Guide. Jeder kann so viel oder wenig geben wie er möchte oder kann.

Diese Tour dauert etwa zwei Stunden und unser Guide Homero erklärt uns anschaulich und spannend die Geschichten der historischen Gebäude von Salta und was es mit dem Spitznamen der Provinzhauptstadt auf sich hat.

Salta - la Linda

Salta wird auch „Salta la linda“ genannt. Linda bedeutet übersetzt hübsch/schön: Salta, die Schöne. Das ist wiederum eine Doppelung, denn der Name Salta geht auf einen Namen in der Quechua Sprache zurück, dessen Übersetzung „hübsch/schön“ bedeutet. In Quechua war der Name für die spanischen Einwanderer schwer auszusprechen und so wurde die Stadt zumindest so ähnlich genannt: Salta.

Mit dabei bei dieser Stadtführung sind immer zwei bis drei Hunde. Das sind Streuner, die allerdings so eine Art Tagespflege haben. Ein Verein kümmert sich um diese herrenlosen Hunde, kastriert sie und übernimmt Tierarztkosten und versucht ein Herrchen oder Frauchen zu finden. Erkennen kann man diese Hunde an ihren „Jacken“ auf denen die Sponsoren und die Adresse des Vereins zu lesen sind.
Die Führung ist klasse und wir erfahren viel über die typisch argentinische Architektur der Häuser und die ursprüngliche Nord-Süd-Aufteilung argentinischer Städte. Der nördliche Teil einer Stadt beherbergte die reichen Bürger während die Arbeiterklasse im Süden wohnte. Im ehemals armen Teil von Salta steht die farbenfrohe Iglesia San Francisco. Der Name kommt nicht von ungefähr, da der heilige Franziskus sich im damaligen Italien um die Armen und Bedürftigen kümmerte. Die San Francisco Kirche wurde im Jahr 1625 erbaut und bis heute vier Mal umgebaut. Bedeutend ist der 53 Meter hohe Glockenturm, der 1870 angebaut wurde und der höchste Glockenturm in ganz Südamerika ist. Die Architektur weist italienischen Einflüsse mit der Fassade in Terrakotta und Elfenbein auf. Besonders fällt das Eingangsportal mit den stilisierten Stuckvorhängen ins Auge. Im Innern ist unter anderem eine Bildnis des heiligen Franz von Assisi zu sehen.
Homero führt die Gruppe weiter zum Convento San Bernardo. Dieses Kloster kann man nicht besichtigen. Allein ein kleiner Raum am Eingangstor ist offen. Dort ist eine Tür, durch die man theoretisch in das Kloster hineingehen kann. Allerdings wäre das nur für Frauen möglich und dann ist es für immer. Wenn man dem Kloster beitritt, dann lebenslang. Das hört sich ein bisschen nach Höchststrafe an, war für die aristokratischen Familien von Salta jedoch eine Pflicht und ein Privileg gleichermaßen, die jüngste Tochter der Familie ins Kloster zu geben. Mit der Entsendung der Tochter ist eine extrem hohe Geldspende der Familie verbunden. Aus diesen „Spenden“ finanziert sich das Kloster. Die Frauen verbringen den Rest ihres Lebens im Kloster und haben keinen sichtbaren Kontakt zur Außenwelt. Ein kleines Fenster in diesem einen offenen Raum dient zur Kommunikation und selbst dabei ist nur die Stimme zu hören, denn das undurchsichtige Fenster wird nicht komplett geöffnet. Das ist mal strikt!

Die Salta Free Tour endet an einem kleinen Park. Hier erzählt uns Homero noch etwas über den Erfinder der argentinischen Flagge: General Manuel Belgrano. Ihm zu Ehren wurde dieser Platz benannt. Nach der Stadtführung statten wir einem kleinen Kaffeeladen einen Besuch ab und genießen die Sonne auf dem Plaza 9 de Julio.

Kindermumien im Museum?

Dann ist noch eine Runde Kultur dran und wir gehen ins MAAM. Das ist das archäologische Museum in Salta. Ausgeschrieben lautet der Name „Museo de Arqueología de Alta Montaña“ und übersetzt bedeutet es „Museum für Archäologie der hohen Berge“. Das Museum wurde 2004 eröffnet um drei Kindermumien zu präsentieren, die 1999 in den Anden in der Nähe des Vulkans Llullaillaco gefunden wurden.

In der Inka Kultur wurden die drei Kinder in einem heiligen Ritual geopfert und für die Kinder und ihre Familien war das eine große Ehre. Die mumifizierten Leichen wurden restauriert und können nun im Museum besichtigt werden. Als wir dort waren, waren zwei der drei Mumien allerdings gerade im Labor und wir konnten nur eine anschauen. Von den zwei anderen werden Fotos ausgestellt.

Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, die Mumie und auch die Fotos zu betrachten. Eben mit dem Wissen, dass es keine Puppen sind, sondern dass diese Kinder wirklich gelebt haben.
© Joseph Castro
© grooverpedro
Ein Nachteil des Museums ist, dass leider nicht alle Infotafeln ins Englische übersetzt wurden. Die wichtigsten Informationen konnten wir zwar auf Englisch lesen, es waren aber bestimmt doppelt so viele zu sehen, mit denen wir nicht so viel anfangen konnten.

Auf dem Heimweg holen wir uns in einem kleinen Laden noch ein paar Empanadas raus. Diese kleinen Teigtaschen sind einfach toll. Es gibt sie mit unterschiedlichen Füllungen. Käse und Rindfleisch sind die gängigsten, manchmal sind auch Kartoffeln oder anderes Gemüse darin.

Während wir unser Abendessen in einem Steak House genießen horchen wir plötzlich auf. Ist es wirklich DAS, was wir da gerade als Hintergrundmusik hören? Tatsächlich! Die Playlist besteht aus chilligen Coverversionen diverser Pop- und Rocksongs. Eigentlich nicht ungewöhnlich. Doch exakt diese Playlist haben wir jeden Morgen in Ubud auf Bali in unserem Frühstücksladen gehört. Verrückt. Wie klein diese Welt doch manchmal ist…

Cerro Bernardo

Heute wandern wir den Cerro San Bernardo hinauf. Das ist ein Hügel am Rande von Salta, auf den man auch mit einer Gondelbahn hoch- und wieder runterfahren kann. Das Wetter ist so schön heute und nachdem sich der in Salta immer sehr hartnäckige Frühnebel aufgelöst hat, gehen wir los. Vorbei am Denkmal des Nationalhelden Güemes.

Martín Miguel de Güemes

Martín Miguel de Güemes wurde am 8. Februar 1785 in Salta geboren und war ein argentinischer General. Er engagierte sich für die Unabhängigkeit Argentiniens von Spanien und befehligte die legendäre Gauchoarmee „Infernales“. Er war ein erfolgreicher Taktiker und gewann diverse Schlachten und schützte dadurch viele Städte und Provinzen vor der Rückeroberung der Spanier. Im Jahr 1815 wurde er zum Gouverneur der Provinz Salta ernannt. Er ist ein argentinischer Nationalheld und seit kurzem ist der 17. Juni (sein Todestag) ein nationaler Feiertag.

Dann beginnt unser kleines Workout. Denn wir haben es hier mit verdammt vielen Treppenstufen zu tun bis wir oben sind. Der Weg ist gesäumt von vielen Bäumen, die uns Schatten spenden, während wir Stufe um Stufe erklimmen. Insgesamt werden wir 300 Höhenmeter überwinden. Einige Leute nutzen diesen Weg als Laufstrecke und stürmen in Sportkleidung an uns vorbei, rauf und runter. Puh, das würde uns nicht einfallen.

Oben angekommen ist der Blick über die Stadt großartig. Allerdings zeigt sich, dass über Salta nicht nur Nebel, sondern auch Smog hängt. Hier oben ist die Luft allerdings frei von all den Abgasen des nie enden wollenden Verkehrs. Also genießen wir die Aussicht, machen eine Brotzeit und spielen eine Partie Backgammon. Für den kleinen Hunger gibt es auf dem Gipfel zwei Cafés und außerdem einige Händler, die ihre Textilien und andere Souvenirs anbieten.
Irgendwann spazieren wir wieder runter. Wir kaufen uns noch Proviant für unsere Busfahrt morgen ein. Dann verlassen wir Salta und fahren weiter nach Cafayate…

Fazit: Salta - la Linda

Salta ist wirklich hübsch. Die Innenstadt und die Architektur sind wunderschön und wir haben auf dem Plaza 9 de Julio in der Sonne gerne unsere Zeit verbracht und uns an den vielen Orangenbäumen in der Stadt erfreut. Um die Innenstadt mit den Kirchen, Museen und Parks zu erkunden reichen zwei Tage locker aus.

Der Nachteil an Salta ist allerdings der viele Verkehr. Daraus ergibt sich einmal die stickige Luft, wenn Busse und Pkws dicht an dicht durch die Gassen düsen. Außerdem kommt der Verkehr gefühlt nie zur Ruhe und selbst nachts sind immer Motorengeräusche und Hupen zu hören. Und das obwohl wir in einer Seitenstraße gewohnt haben.

1 Kommentar zu „Salta – la Linda“

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