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Semenggoh Wildlife Center Borneo

Semenggoh Wildlife Rehabilitation Center und Bako Nationalpark

Mit Kuching sind wir schnell warm geworden. Mit den Leckereien vom Food Festival waren wir ruckizucki überzeugt. Abgesehen von der kulinarischen Auswahl ist Kuching eine tolle Stadt, da sie sehr kompakt aufgebaut und vieles fußläufig zu erreichen ist. Es gibt ein Chinatown, Little India und eine Promenade am Fluss. Nur um einige wenige Möglichkeiten für einen Spaziergang durch die Stadt zu nennen. Außerdem ist sie geographisch ein guter Ausgangspunkt für Tagesausflüge in die Umgebung. Das Semenggoh Wildlife Rehabilitation Center steht ganz oben auf unserer Liste – wir wollen auf Borneo nämlich liebend gern Orang-Utans sehen! So wie alle anderen Touristen, die hier herkommen, wohl auch… Semenggoh ist ein Wildtierzentrum, in dem die Affen mit dem leuchtend rot-braunen Fell, wieder aufgepäppelt werden. Sie waren verletzt oder kamen aus anderen Gründen nicht mehr allein in der Natur klar. Hier werden sie so lange beherbergt, bis sie irgendwann wieder selbst für sich sorgen können.

Der Bako Nationalpark steht gleich an zweiter Stelle unserer Liste. Von Bako wurde uns schon von vielen anderen Reisenden vorgeschwärmt. Er ist nach etwa einer Stunde Busfahrt zu erreichen. In diesem Nationalpark, der nur über eine Bootsfahrt erreichbar ist, leben über 100 Nasenaffen in freier Wildbahn. Hier soll man auch übernachten können… Eine Nacht im Nationalpark klingt aufregend! Allerdings merken wir jetzt, dass eine recht spontane Reiseplanung nicht immer so funktioniert, wie wir uns das vorstellen. Denn es ist gerade Hauptreisezeit auf Borneo und die Unterkünfte im Nationalpark sind schon seit Monaten ausgebucht. Eine Dschungelübernachtung muss also noch warten. Nun aber zu dem, was wir tatsächlich gesehen haben…

Semenggoh Wildlife Rehabilitation Center

Am Donnerstag stellen wir uns einen Wecker und stehen wir früh auf. Am Vormittag wollen wir rechtzeitig um 9 Uhr im Semenggoh sein, wenn die „Fütterung“ der Orang-Utans beginnt. Orang-Utan bedeutet Menschenaffe. Die Fütterung ist nicht die einzige Möglichkeit für die Affen um zu fressen. Der Park ist groß und es gibt – besonders jetzt zur fruit season – auch genug Früchte, dass sich die Affen selbst versorgen können. Die Ranger im Park haben allen Affen Namen gegeben und rufen nach ihnen. Manchmal kommen sie zur Fütterung, manchmal nicht. Eben nur, wenn sie Lust drauf haben, beim Banane snacken von einer Horde Touristen bestaunt und fotografiert zu werden…

Wir haben Glück! Beim ersten Futterplatz neben dem Hauptweg warten bereits Ritchie und ein weiterer Orang-Utan auf den Bäumen auf die fruchtigen Leckereien der Ranger. Der Ranger erzählt uns Zuschauern, vieles über die Orang-Utans und erklärt, dass wir nur vorsichtig sein müssen, falls die Affen auf dem Boden sind und neben uns herlaufen sollten. Heute Vormittag gibt es Kokosnüsse. Die beiden haarigen Genießer wissen natürlich genau, wie sie die harten Dinger aufbekommen. Einfach mit Kraft gegen den Baum schlagen, auf dem sie sitzen. Das so lange wiederholen, bis die Schale geknackt ist. Fertig.
semenggoh_wildlife_center_borneo
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Ritchie hat schon entdeckt, dass es heute noch mehr zu futtern gibt, als die Kokosnüsse. Während der Ranger mit dem anderen Orang-Utan beschäftigt ist, klettert der Affe fix den Baum runter und schnappt sich einen Strunk Bananen, der auf dem Boden liegt. Und sofort wieder nach oben klettern. Die Beute muss ja in Sicherheit gebracht werden. In luftiger Höhe lässt Richtie sich die Bananen schmecken, während die Schalen fallengelassen werden.

Der Ranger macht uns klar, dass wir noch zu einem anderen Futterplatz gehen. Der ist jetzt etwas versteckt im Dschungel und wir steigen über jede Menge Baumwurzeln und folgen dem verschlungenen Pfad bis wir auf eine kleine Lichtung kommen. Unser Ranger ist inzwischen auf eine hölzerne Plattform geklettert, die etwa 20 Meter entfernt, auf der anderen Seite der Lichtung installiert ist. Er ruft bereits laut in den Dschungel hinein und legt Bananen neben sich auf den Boden. Dann hören wir es in den Bäumen rascheln. Da kommt irgendwas… Tatsächlich sehen wir, wie sich ein Orang-Utan langsam an Seilen entlang hangelt und zur Lichtung kommt. Der Rücken des Menschenaffen sieht komisch aus. Und dann gehen „aaah’s“ und „oooh’s“ durch die Menge. Der komische Buckel am Rücken ist ein Orang-Utan-Baby! Es ist erst fünf Monate alt. Hach, wir sind hin und weg. Mit einigem Abstand folgt noch ein Orang-Utan. Der ist etwa ein Jahr alt und das große Geschwisterchen des Babys. Wir sehen also gerade eine ganze Orang-Utan-Familie! Dieser Ausflug hat sich ja mal total gelohnt.
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Bako National Park

Heute beginnt der Tag noch früher, denn der Bus zum Bako National Park fährt um kurz nach 7 Uhr morgens ab. Also wieder Wecker stellen und ein Toast mit Marmelade um irgendwas im Magen zu haben. An der „Bushaltestelle“ treffen wir direkt einen unserer Mitbewohner aus dem Hostel wieder. Chris fährt heute auch zum Bako und scheint genauso erleichtert wie wir, dass er uns an dieser Stelle der Hauptstraße trifft. Es ist nämlich keine offizielle Bushaltestelle, an der wir warten. Allerdings soll der Bako-Bus hier angeblich immer halten, wenn einige Touris am Straßenrand warten. Und mit der richtigen Uhrzeit ist das hier in Malaysia auch so eine Sache. Wann genau der Bus kommt, kann niemand sagen. Es gibt nur geschätzte Uhrzeiten. Deshalb stehen wir auch um Punkt 7 Uhr an der „Haltestelle“. Auch wenn dieses System des öffentlichen Nahverkehrs so gar nicht unserem entspricht, so funktioniert es einwandfrei. Der Bus kommt angefahren, hält an und alle steigen ein. Wir halten noch an einer Handvoll „richtiger“ Haltestellen und kommen nach einer knappen Stunde am Ziel an.

Jetzt zahlen wir den Eintritt für den Nationalpark und zusätzlich die Bootsfahrt um dorthin zu kommen. Als wir in dem kleinen Motorboot sitzen, denken wir sofort zurück an die Perhentians, als wir jeden Tag zwischen der großen und der kleinen Insel gependelt sind… Und dann ist unser Ziel in Sicht. Da gerade Ebbe ist, kann das Boot nicht bis zum Anleger fahren und lässt uns im flachen Wasser aussteigen. Die letzte Erfrischung bevor wir durch den Dschungel wandern. Am Ufer angekommen zeigt uns ein Ranger das erste wilde Tier des Tages: eine Schlange. So wild ist die momentan gar nicht, denn sie hängt einfach im Baum und verdaut ihre letzte Mahlzeit. Das kann je nach Größe der Beute mal ein paar Tage dauern. Umso besser für uns, dass wir in Ruhe ein paar Schnappschüsse machen können!
Zusammen mit Chris starten wir den Trail No. 3. Auf diesem Wanderweg soll die Wahrscheinlichkeit am höchsten sein, dass wir die Nasenaffen sehen. Und deshalb sind wir ja hier. Wir gehen bzw. kraxeln vorwärts. Der Boden besteht manchmal aus einem wirren Geflecht von Baumwurzeln, dann gibt’s ein paar Meter Holzbohlen oder auch mal Holztreppen um all zu steile Stellen zu bewältigen.
An einer Stelle sehen wir drei Wanderer stehen, den Blick in den Dschungel gerichtet. Wir hören es rascheln und sehen in einiger Entfernung die Baumwipfel wackeln. Dann kommt ein Gezeter aus der Richtung und wir sehen tatsächlich zwei Nasenaffen in den Bäumen herumklettern. Toll! So ganz richtig freilebende Affen. Da sie recht weit entfernt sind, können wir ihre charakteristischen Nasen nicht ganz so gut erkennen. Aber immerhin sehen wir sie. Wir versuchen weiter Fotos von ihnen zu machen während sie tiefer im Dschungel verschwinden.
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Also stolpern wir weiter den Weg entlang bis wir – inzwischen völlig durchgeschwitzt – am Strand ankommen. Ein traumhafter Anblick. Es gibt leider einen Haken… hier soll es Krokodile geben. Wirklich. Also lieber kein erfrischendes Bad im Meer.
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Auf dem Rückweg haben wir noch einmal Glück und sehen wieder (vielleicht die gleichen?) Nasenaffen, nun aber an einer anderen Stelle. Nach ausgiebigem in-die-Bäume-starren gehen wir weiter. Am Headquarter angekommen stellen wir fest, dass viel mehr Zeit vergangen ist als wir geplant hatten. Eine lange Wanderung schaffen wir nicht mehr, damit wir um 15 Uhr mit dem letzten Boot zurückfahren müssen. Also entscheiden wir uns für einen halbstündigen Anstieg mit Aussicht über die Bucht. Diese halbe Stunde hat es in sich. Es geht teilweise sehr steil bergauf und wir haben das Gefühl, das uns jegliche Fitness fehlt! Auf dem Gipfel angekommen genießen wir Aussicht und ganz besonders die leichte Brise.

Nach einer Partie Backgammon (Ilka hat gewonnen) und ein paar Scheiben getrockneter Mango machen wir uns auf den Rückweg. Vorbei an einer Horde Affen schlendern wir den Strand entlang zum Anleger und verlassen den Bako Nationalpark.
FAZIT:

Insgesamt ist unser Fazit zu Bako etwas ernüchternd. Es klingt eventuell etwas undankbar, weil wir auch die Nasenaffen und anderes Getier gesehen haben. Doch irgendwann ist es dann einfach „nur“ ein weiterer Wanderweg durch den Dschungel. Vielleicht waren unsere Erwartungen an den Park auch zu hoch, weil Bako von vielen anderen Reisenden und in diversen Blogs sehr gelobt wurde und ein must-see ist. Im direkten Vergleich hat uns der Nationalpark auf Penang besser gefallen. So ist das eben mit der subjektiven Wahrnehmung…

Wie geht es euch? Wart ihr schon mal im Bako Nationalpark? Wart ihr begeistert oder wie habt ihr ihn erlebt?

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