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title underground mosque Yogyakarta

Yogya: kulturelles Zentrum von Java

Angekommen aus Jakarta, welches für uns wie hier beschrieben, nicht ganz so positiv war, hinein ins kunterbunte Yogyakarta.

Hier ein paar Fakten: Die Kurzform ist Yogya oder auch Jogja, abgeleitet durch die frühere Schreibweise Jogjakarta. Die Stadt bildet zusammen mit der Nachbarstadt Surakarta (Solo) das Zentrum der traditionellen javanischen Kultur und ist aufgrund ihrer zahlreichen Universitäten auch das Bildungszentrum des Archipels. Yogyakarta ist neben Kutei eines von zwei verbliebenen Sultanaten Indonesiens und kommt mit den dazugehörigen Provinzen (Bantul, Gunungkidul, Kulonprogo, Kabupaten Sleman) auf etwa 3,5 Mio. Einwohner. Die Batik-Färbetechnik ist ein Teil der javanischen Textilkunst. Du kannst in Jogja an sehr vielen Geschäften, oder auf der Straße, Shirts im Batik-Stil kaufen. Des Weiteren findest Du sehr häufig Kopi Luwak bzw. Kape Alamid Coffee. Dies sind Bezeichnungen für eine spezielle Kaffeemarke, salopp „Katzenkaffee“.

Katzenkaffee wurde ursprünglich aus halb verdauten Kaffeebohnen aus den Exkrementen von in freier Wildbahn lebenden Fleckenmusangs hergestellt. Leider werden diese Art von Katzen auch in viel zu kleinen Käfigen gehalten. Wir wurden mehrmals angesprochen und haben uns einmal ein „Gehege“ zeigen lassen. Eigentlich lag der Anfang des Gespächs auf einer alten Vespa 150 Sprint. Die Besitzerin hütet auch eben diese Katzen. Der Katzenkaffee erfreut sich großer Beliebtheit und so werden auch Touristen mit dem besonderen Glücklichmacher angelockt. Unserer Meinung nach sollte man Abstand von dieser Art der Haltung halten. Der Fleckenmusang wird bisher nicht als bedrohte Art gelistet. Dennoch setzen ihm Wildfänge zur industrialisierten Luwak-Kaffeeherstellung zu. Die Tiere werden in kargen Gitterkäfigen gehalten (ähnlich der Batteriehühnerhaltung) und überwiegend mit Kaffeebeeren gefüttert, was zu Mangelernährung, Stressverhalten und erheblicher Sterberate führt.

Kali Kala

Unsere Unterkunft ist das Kali Kala. Ein Homestay mit zwei Zimmern, also maximal vier Personen, plus Gastgeberin Delima und ihrem liebenswerten Kater Shifu. Die Unterkunft liegt in einer ruhigen Nebenstraße. In zehn Minuten gelangt man zur Jalan Tirtodipuran die einige Kunstläden, gute Restaurants und Einkehrmöglichkeiten bietet. Empfehlen können wir das Asmara Art & Coffee sowie zum Frühstücken die Cinema Bakery.

Sightseeing zu Fuß

Wie ihr bestimmt schon mitbekommen habt, erkunden wir die neue Umgebung zu lieber auf eigene Faust und Fuß. Nicht weil wir zu knauserig sind, sondern weil wir so mehr von der Stadt, den Menschen, sowei Gerüchen, etc. mitbekommen. So machen wir uns am Vormittag auf den Weg zum Wasserschloss Taman Sari.
In dieser Anlage hat der Sultan und seine Familie früher ihre Freizeit verbracht. Taman Sari Wasserschloss bedeutet übersetzt so viel wie „duftender wunderschöner Garten“. Die Anlage wurde, wie der Kraton (Sultanspalast), Mitte des 18. Jahrhunderts erbaut und diente dem Sultan als Lustschloss. Der Komplex bestand aus mehr als 50 Gebäuden u.a. einer Moschee, Pavillons für Feiern und Empfänge, einem riesigen künstlichen See und tropischen Gärten. Heute ist davon nur noch wenig erhalten wie die drei Wasserbecken im Wasserschloss. Eines für seine Ehefrauen, das zweite für die Kinder und ein drittes für seine Gespielinnen. Tatsächlich diente Taman Sari nicht nur als Vergnügungsort, denn die unterirdischen Tunnel ermöglichten es den Bewohnern Yogyakartas im Notfall aus dem Sultanspalast zu entkommen und ihre Gegner zu stoppen, indem sie die Tunnel nach ihrer Flucht fluteten.
Insgesamt hat das Wasserschloss schon ein wenig Patina angesetzt, dennoch ist es einen kurzen Abstecher wert um einen Eindruck zu erhalten.

Taman Sari Water Castle & Underground Mosque

underground mosque Taman Sari, bestehend aus üppigen Gärten und Pools, bot auch ein von Menschenhand geschaffenes Labyrinth, das unterirdisch mit Tunneln und kleinen Nebengebäuden verbunden war. Eines dieser Nebengebäude wurde als Moschee genutzt (die Taman Sari Underground Mosque) und die war nur durch eine unterirdische Passage zugänglich. Wir gehen allerdings nicht unterirdisch, sondern durch winzige Gassen, vorbei an kleinen Kunstgeschäften und Kaffees in Richtung der kleinen versteckten Moschee.

Neben kleinen Gebets-Nischen bildet eine Freitreppe ihr Zentrum. Immer wiederkehrende Stufen geben dem Ganzen eine irreführende Qualität. Der Eintritt für die Moschee ist bereits mit dem Eintritt für das Wasserschloss bezahlt und man kann so lange bleiben wie man will. Taman Sari lädt zum Verweilen ein und ich finde auch fotografisch bietet die Location ein kleines bisschen Magie…
Die unscheinbare Moschee, die voller Geheimnisse ist, ist bestimmt nur eines der Wunder des gesamten Taman Sari Water Castle Komplexes. Heute sind viele der Überreste des großen Gebäudes aus dem 18. Jahrhundert verloren gegangen. Im Jahr 1995 wurde der gesamte Komplex als vorläufiges Weltkulturerbe aufgeführt.

Alun Alun Kidul

Von unserer Gastgeberin haben wir eine Eigenart in Yogykarta kennengelernt. Die Suche nach dem Glück wird hier nicht mit Herrn Rossi begründet, sondern mit zwei Bäumen, die auf einem Platz inmitten der Stadt stehen. Dieser Platz ist der Alun Alun Kidul. In vielen Reiseführern wird der AlunAlun Utara vor dem Sultanspalast genannt. Wir möchten hier nicht über das richtig oder falsch urteilen. Wir aber richten uns nach dem Tipp von Delima denn die Sage ist dieselbe.
Alun Alun Kidul
Die Javanesen glauben, dass wenn sie mit verbundenen Augen den Weg durch die beiden Bäume finden, es ihnen viel Glück bringen wird. Auch wir haben es versucht und waren nicht die Einzigen die entweder nach links oder rechts gelaufen sind. Ein älterer Mann aus Indonesien hatte eine Augenbinde umgebunden und war wirklich hartnäckig auf Glück-Suche. Seine Frau hat ihm jeweils kurz vor den Bäumen zum Anhalten aufgerufen.

SO haben auch wir jeweils unter der Aufsicht von Ilka oder Helge den Glückstest gemacht. Helge lief zweimal in die linke Richtung, während Ilka nach rechts gelaufen ist. Bedeutet, dass wenn wir immerzu Hand in Hand gehen immer geradeaus gehen und bestimmt ganz viel Glück haben werden…
SO haben auch wir jeweils unter der Aufsicht von Ilka oder Helge den Glückstest gemacht. Helge lief zweimal in die linke Richtung, während Ilka nach rechts gelaufen ist. Bedeutet, dass wenn wir immerzu Hand in Hand gehen immer geradeaus gehen und bestimmt ganz viel Glück haben werden…

Streetart & Kulinarische Highlights

In George Town, Penang, haben wir die Streetart von Ernest Zacharevic erkundet. Während die Streetart in George Town subtil daherkommt, ist sie in Yogyakarta viel dominanter. Überall finden sich Graffitis von verschiedenen Künstlern und Stilen. Die Bandbreite reicht von Schriftzügen über weitere Techniken der Gestaltung, z.B. aufgeklebte Poster oder Schablonen-Graffiti. Die Schriftzüge sind natürlich meist in Indonesischer Schrift gehalten, es gibt jedoch auch englische und teils deutsche Schriftzüge. Die schiere Menge von Yogyias öffentlicher Kunst ist absolut atemberaubend und belebt das Straßenbild erheblich.
Nicht zu vergessen: Das Batik-Textilfärbeverfahren. Batik ist der nationale Schatz, der auf dem javanischen Wort „amba“ und „titik“ basiert, was bedeutet, die Punkte zu schreiben. Es ist eine Kunst, Stoff mit Wachs und Färbeverfahren zu dekorieren. Yogyakarta hat ein charakteristisches Batik-Muster, das normalerweise mit einem hellen weißen Grundstoff hergestellt wird. Einige der Motive sind die Parang Kusumo, Kawung und Truntum, jeder wurde mit der besonderen Philosophie hinter seinen einzelnen Punkten erstellt.
Das kulinarische kommt natürlich auch in Yogya nicht zu kurz. Überall wird gebrutzelt und geköchelt. Unser Favorit ist Gado Gado. Dies ist ein indonesischer Salat aus gekochtem, blanchiertem oder gedünstetem Gemüse und hart gekochten Eiern, gekochten Kartoffeln, gebratenem Tofu und Tempeh. Dazu reicht man in der Regel noch eine Erdnusssauce die bei uns leicht scharf und den typischen Erdnussgeschmack hatte. Sehr lecker!

Ayam Geprek Ein typisches Merkmal von Hühnchen-Gepek-Gericht im Jogja-Stil ist gebratenes Crispy-Hühnchen anstelle des üblichen gebratenen Hühnchens. Dazu ein ordentlicher Schuss hausgemachtes Sambal (Chilisoße, Cayennepfeffer, Knoblauch und Garnelenpaste). Das gut gewürzte Hühnchen wird dann mit Reis und etwas Tomaten und Gurken in Scheiben serviert. Häufig auch im Bananenblatt oder ganz europäisch in einer Schüssel.


last but not least: Kaffee, Kaffee und Kaffee. Ja! Nicht nur den (zu vernachlässigenden) Katzenkaffee, sondern in den meisten kleinen Läden kann man sich bei gemütlicher Atmosphäre niederlassen. Dazu zum Beispiel ein Stückchen Klappertaart genießen. Und das Beste: Aus verschiedensten Bohnen und Röstungen aus ganz Indonesien auswählen. Dieser wird dann in einer french-press auf Deinem Tisch zubereitet. Aufgrund ihrer Nachhaltigkeit und ‚Tiefe‘ werden die indonesischen Bohnen gern für Mischungen verwendet, die so mehr Charakter erhalten.
Ich würde sogar sagen: Mehr davon!
Seit ihr schonmal in Yogyakarta oder Indonesien gewesen? Was waren eure Highlights die wir unbedingt noch sehen sollten, oder die Ihr gerne an andere Mitleser verraten würdet? Hinterlasst gerne einen Kommentar!

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