Nach drei Nächten in Salta war es Zeit diese quirlige Stadt zu verlassen. Wie so oft die Qual der Wahl:
Hinauf nach Purmamarca bzw. Tilcara um den Cerro Colorado zu bestaunen oder weiter in den Süden
nach Cafayate – umgeben von den Anden und unweit der Quebrada de las Conchas, die sogenannte Muschelschlucht, die ebenfalls durch
sehr kolorierte Felsformationen besticht? Die Region um Cafayate ist auch für guten Wein bekannt, speziell für den „high-altitude“ Wein, denn die Anbaugebiete reichen bis auf über 3000m Höhe – Cafayate selbst liegt auf 1700m und hat überschaubare 12.000 Einwohner.
Früh am Morgen geht es zum Busterminal in Salta. Vier Stunden Busfahrt warten auf uns (pfft, das ist ja mal gar nichts) und führen uns durch spektakuläre Felsschluchten.
Theoretisch kann man auch an den bekanntesten Sightseeing Punkten aussteigen und den nächsten Bus nehmen, der vorbeikommt oder man leiht sich ein Auto und ist flexibel in seiner Planung.
Letzteres hat aber den Nachteil, dass das Auto zum gebuchten Zeitpunkt wieder in Salta sein muss. Und genau das ist ja nun gar nicht unsere Reisedevise. Während der Busfahrt durch die wunderbare Landschaft planen wir schon unsere Tour mit dem Fahrrad – dazu später mehr!
Nevery try – never know
una bella macchina
Am nächsten Morgen erwartet Helge eine Überraschung. Als wir zum Frühstück gehen hören wir schon die Geräusche von latte schiuma, dem Milchaufschäumen. Dazu eine
schöne Kaffeemaschine. Das Beste ist aber, dass der Kaffee tatsächlich sehr gut schmeckt. Dies war in Argentinien bisher echt nicht einfach und das allerbeste: Der Kaffee ist for free – yeah!
Ansonsten typisches südamerikanisches Frühstück. Anstatt Müsli gibt es Cornflakes mit super bunten Ringlis und runde Schokodrops, die uns an den Knusperverstärker von Clark Griswold erinnern…
Gut gestärkt machen wir uns auf den Weg um die naheliegenden Wein-Bodegas zu erkunden, auch zum Aussichtspunkt, der nahe bei einem Wasserfall liegt, wollen wir gehen. Zum Rio Colorado Wasserfall selbst wollen wir nun nicht, da wir aus Iguazu wohl leicht verwöhnt sind. Aber den Aussichtspunkt würden wir gerne erkunden. Das stellt sich allerdings nicht so einfach heraus, denn vor dem Eingang zum Weg, der zu den Wasserfällen und zum Aussichtspunkt führt, wartet schon eine Handvoll Argentinier, die ihre Hilfe und Touren zu besagtem Wasserfall anbieten. Unser bestes Spanisch hat nicht geholfen, so dass wir entweder Eintritt für 5 Minuten Fußweg bezahlen oder wieder umdrehen müssen- Aaargh! Dann eben nicht!
Die Bodega Mounier, Finca Las Nubes
Das Weingut wurde von José Luis Mounier, einem Önologen aus Mendoza, und seiner Frau Mercedes gegründet, deren Traum es war, ein eigenes Weingut zu besitzen und hochqualitative Weine herzustellen, die ihren Namen tragen. Im Jahr 1999 wurde der Traum verwirklicht, als beide die Finca Las Nubes erwarben („Las Nubes“ bedeutet „die Wolken“). Diese Bodega mit Bio-Wein verfügt über ein einladendes Café mit herrlichem Blick auf das Calchaquíes Tal und Cafayate. Die Rebstöcke sind bereits kahl und schauen ein wenige traurig aus. Aber es ist ja auch Herbst hier. Doch die Idylle ist super. Am Hang gelegen mit roten Felsen und Kakteen als Kulisse. Ein schönes Gebäude fügt sich bodenständig in die Landschaft ein. Auf der grünen Wiese stehen hier und da verteilt einige Tische mit Stühlen. An einigen sitzen bereits Gäste und genießen ihren Wein. Blackout in Argentina
Die Bodega Bad Brothers
Die Weinbar von Agustin Lanus (Nr. 1 bei Trip Advisor in Cafayate) bietet eine große Auswahl an internationalen und lokalen Gerichten. Das Portfolio von Weinen wird in großer und extremer Höhe angebaut. Erst im November 2016 wurde das „Bad Brothers Wine Experience“ in einem restaurierten Lehmhaus unweit vom Hauptplatz in Cafayate eröffnet und befindet sich praktischerweise nur ein Steinwurf entfernt von unserer Unterkunft. Diese Weinbar bietet die Möglichkeit drei verschiedene Bad Brothers-Weine zu probieren und mehr über den Anbau von Wein in dieser hohen Lage zu erfahren. Der Name ergibt sich übrigens aus den Vornamen der drei Gründer: Bill, Augustin und David – es sind also keine bösen Brüder!
Wir entscheiden uns für das Tasting um 18 Uhr. Am besten geht ihr am Vortag vorbei und fragt nach, wann die Weinproben stattfinden. Die Weinexpertin ist allerdings noch nicht da, während wir warten kommen wir mit Yann aus Frankreich ins Gespräch. Er hat hier vor paar Monaten bei der Ernte geholfen und mag Cafayate ganz gerne und ist hier hängengeblieben. Sehr sympathisch. Er empfiehlt uns auch zum Abendessen hier zu bleiben. Nach kurzem Blick auf die Karte haben entscheiden wir uns sofort dafür, auch wenn es bisschen teurer und schicker ist, als es unser Budget eigentlich zulässt.
high-altitude Weinanbau
Die Weinberge in dieser Region sind wirklich hoch gelegen: Zwischen 1700m bis knapp über 3000m über den Meeresspiegel – im Vergleich zu Europa: hier liegen die Weinanbaugebiete bis maximal 1200m. Das Markenzeichen Cafayates sind Weißweine aus der „Torrontés-Riojano“-Traube, sowie die rote Traube „Malbec“ die national und international immer mehr Liebhaber findet. Warme sonnige Tage und kühle Nächte führen zu Weinen mit mehr Farbe, mehr Aroma und großer Intensität. In dieser extremer Höhe erhalten Trauben wie Malbec, Tannat, Torrontés, Cabernet Sauvignon, Bonarda und Syrah intensives Sonnenlicht und ihre Häute werden zum Schutz dicker und die Frucht gegen die Sonne und Kälte geschützt. Infolgedessen dauert die Reifung der Trauben länger und die Tannine werden konzentriert. Die extremen Temperaturen zwischen Tag und Nacht und die Bodentypen (wenig organische Substanz) geben den Weinen einen einzigartigen Charakter, der für diese kleine Region typisch ist.
2.) Gratin aus Kartoffeln und Ziegenkäse und Ziegenfleisch 3.) Quinoa, Lachs mit Gemüse in einer Art Blätterteig Waffel
4.) Rind, gegart und in Tannat-Rotwein geschmort. Das Rind war die vorige Nacht in Salz eingelegt. Dazu Kartoffeln (ähnlich wie papas arugadas) in einer leichten Käsesauce
Die Bodega El Porvenir
Bevor wir zu den Bad Brothers gegangen sind, haben wir bei der Bodega El Porvenir vorbeigeschaut. Ein familiengeführtes Boutique-Weingut. Die Bodega (oder das Weingut) ist im Herzen von Cafayate und stammt aus dem späten 19. Jahrhundert. Das Gebäude ist klassisch mit Lehmmauern gebaut, die von alten Fässern eingerahmt sind. El Porvenir gehört der Familie Romero (und ist bekannt für seine Premium-Weinserie Laborum. Leider gibt es im Innenhof nur einen kleinen Tisch, der schon belegt ist. Den nächsten Termin für die Verkostung können wir nicht mehr wahrnehmen, da wir dann schon Cafayate verlassen haben.
Allerdings: Ein Ehepaar aus Italien und Argentinien kauft gerade Wein ein und probiert das eine oder andere Glas. Ilka kommt mit den beiden ins Gespräch und staubt das eine oder andere Glas Vino Tinto ab. Gut gemacht mein kleiner Gantenkiel.
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag von 9.00 bis 13.00 Uhr und von 15.00 bis 18.00 Uhr. Sonntag und Montag von 9 bis 13 Uhr.
Bici & Baci radeln durch die Quebrada de las Conchas
Nachbarn vorbei. Ein stämmiger Mann nimmt sein drittes Frühstück ein. Von uns „der Steinmetz“ getauft, da er wirklich stämmig ist. Ein weiterer Nachbar verleiht Räder zu einem fairen Preis. Für ARS 400,- bekommen wir ein gut gepflegtes Fahrrad zusammen mit zwei Ersatzschläuchen, Werkzeug und eine Luftpumpe in die Hand. Hoffentlich brauchen wir das alles nicht… Im Gegensatz zu den 600 Pesos am Marktplatz, die weniger gut gepflegt waren, ein super Deal. Der Laden (sehr unscheinbar, nur eine Tür) befindet sich direkt neben der Bodega Bad Brothers!
Zeitig am Vormittag radeln wir zum Busbahnhof und kaufen uns Tickets bei „Flecha Bus“ zum Garganta del Diablo für ARS 85 pro Person. Hinzukommen noch weitere 50 Pesos für die Räder. Vom Garganta del Diablo, der Teufelsschlund, wollen wir mit unseren Rädern dann die knapp 50 Kilometer nach Cafayate zurückradeln, inklusive der Aussichtspunkte auf dem Weg. Bei den Gesteinen hier handelt es sich um kontinentale Ablagerungen der „mittleren“ Kreidezeit (Cenomanium), die unter der Bezeichnung La-Yesera-Formation zusammengefasst werden.
Als wir wieder zu unseren Rädern gehen fragt die Frau aus der Familie, ob wir gar keine Empanadas essen wollen. Wir geben zu verstehen, dass die leider aus sind. Da ruft sie uns hinterher, dass wir warten sollen. Sie nimmt etwas vom Tisch und bringt es uns: drei Empanadas in einer Serviette. Sie sind alle satt und sie würden sie sowieso nicht mehr essen. Hach, das ist total lieb. Während wir das Geschenk essen, gesellt sich der Papa zu uns und wir quatschen eine Weile. Über alles Mögliche, auch über unsere Reiseroute und ob wir denn keine Probleme mit der Höhe haben – Stichwort Höhenkrankheit!
Plötzlich läuft er zu seinem Auto und kommt mit einer grünen Plastiktüte wieder. Darin: Coca-Blätter. Für unsere Weiterfahrt nach Bolivien sollen wir die mitnehmen. Er kommt selbst aus einem Dorf in der Nähe der argentinisch-bolivianischen Grenze. Coca-Blätter und Mate-Tee gehören in dieser Gegend zusammen wie bei uns Kohl und Pinkel. (Wer das norddeutsche Nationalgericht nicht kennt, bitte melden!) Total geflasht von der lieben Geste und für den Snack setzen wir uns auf die harten Sättel und brausen weiter. Zum Glück haben wir Rückenwind! Gegen Mittag wird es wärmer, die Felsen und der Asphalt geben die Sonneneinstrahlung direkt an uns ab… Der Wind nimmt zu und dreht sich hier und da, wirbelt den umliegenden Sand auf und ärgert uns. Kein Wunder, dass die Kette langsam quietscht.

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Ich komme in rund 2 Wochen für 2 Nächte nach Cafayate. Nach Lesen eures Berichts ist die Vorfreude nochmal so groß.
Herzlichen Dank für diese schöne Reisegeschichte .
Hi Sigrid!
Das sind uns die liebsten Kommentare 🙂 Da werden wir ganz sehnsüchtig bei dem Gedanken an Cafayate. Die Natur und die unglaublich leckeren Rotweine…
Wir wünschen Dir ganz viel Spaß und bitte trinke ein Glas Malbec für uns mit! Und schreib uns gerne, wie es Dir dort gefällt.
Liebe Grüße Ilka & Helge
Einen sehr tollen Beitrag über ihre Weinreise in Argentinien. Ich bin mir sicher, dass eine solche Tour eine echte Freude bringen kann. Ich will auch gerne diesen Wein aus Barriquefass mit ihr zusammen probieren.