Kraxeln im Grampians Nationalpark

Nach so viel Aussicht auf Meer & Strand, zieht es uns in die Berge, genauer in den Grampians Nationalpark. Nicht zu verwechseln mit den Grampian Mountains in Schottland, denn der Nationalpark liegt ungefähr 250 km von Melbourne und 100 km nördlich von der australischen Südküste entfernt. Nach einer Nacht auf der kostenlosen Campsite in Hawkesdale fahren wir noch ca. 2 Stunden nach Halls Gap.

Halls Gap ist das touristische Zentrum der Grampians mit dem Brambuk Living Culture Centre. Das Brambuk ist ein Besucherinformationszentrum, das älteste seiner Art in ganz Australien und wird von einem hiesigen Aborigines Stamm betrieben. Der ursprüngliche Name der Grampians lautet bei den Aborigines übrigens Gariwerd. Die preisgekrönte Architektur des Zentrums interpretiert die Geschichten der Aborigines. So inspirierte die Silhouette eines fliegenden Kakadus die Dachform des Gebäudes. Der Vogel ist das Totem der lokalen Stämme und gab dem Kulturzentrum auch seinen Namen: „Brambuk“ ist der weiße Kakadu.

Und genau hier holen wir uns die letzten Informationen über Wanderwege und erkundigen uns nach geeigneten Schlafplätze für uns sowie Carl. Wir bekommen die Info, dass der Wonderland Loop Trail von Halls Gap bis hinauf zum Aussichtspunkt Pinnacle und in einer Schleife wieder zurück zum Ausgangspunkt führt.

Wonderland-Loop-Trail

Gesagt getan und wir fahren zu den Tennisplätzen, nahe Schwimmbad im Ort, parken Carl und schnüren unsere Wanderschuhe. Die Tour beginnt beim Venus Bath, führt dann durch eine malerische Schlucht, dem Grand Canyon, durch einen nur schulterbreiten Felsgang, der Silent Street. Allmählich wird der Wald immer dünner und Bäume werden zu Felsen mit steilen Abhängen mit großen bizarren Felsbrocken. Der Weg wird immer steiler und wird zu einer Felsnadel bis wir oberhalb an der senkrechten Wand, dem Pinnacle, ankommen.

Belohnt wird der Aufstieg durch blauen Himmel und einer fantastischen Aussicht über den Nationalpark und dem angrenzenden Land. Wahnsinn! Ich hätte nicht gedacht dass wir heute noch so eine Tour machen werden. Die Nacht war kurz und die Fahrt anstrengend.

Nach einer obligatorischen Partie Backgammon hoch oben am Felsplateau (Ilka hat mal wieder gewonnen…) geht es zurück Richtung Halls Gap. Der Rückweg ist allerdings wesentlich entspannter als der Aufstieg, denn wir müssen nicht mehr über Felsen kraxeln sondern gehen einen schönen Waldweg hinunter. Umgeben von Felsen und Bäumen auf der einen Seite und einer fantastischen Aussicht auf der anderen.
Die letzten Kilometer sind dann noch geselliger: Die Sonne geht unter und die Kängurus und Wallabys kommen heraus um zu fressen. Zwei der possierlichen Tiere folgen uns dann eine Weile. Wirklich herrlich, die beiden fressen ab und zu und hüpfen dann an uns vorbei, warten bis wir sie wieder eingeholt haben und das Spiel wiederholt sich dann bis zum Stellplatz von Carl. Ganz offensichtlich wird die Grünfläche beim Tennisplatz in Halls Gap als Treffpunkt zum Dinner genutzt.

Nach ca. 8 km sind wir wieder bei Carl angekommen und fahren zum Plantation Campground. Dieser Stellplatz ist gratis und verfügt über WC. Mehr benötigen wir nicht. Der Weg führt allerdings über eine nervige Schotterstraße die unserem kleinen rollenden Freund gar nicht gefällt.

Zum Abendessen treffen wir wieder auf viele der hüpfenden Vierbeiner. Nachdem die Sonne untergegangen ist belohnt uns der wolkenlose Himmel mit einer unfassbar kitschigen Milchstraße. Seufz…

Die MacKenzie Wasserfälle

Am nächsten Morgen fahren wir weiter ins Zentrum des Nationalparks und halten bei dem einen oder anderen Aussichtspunkt an. Vom Picknickplatz „Zumsteins“ aus führen zwei Pfade zu den MacKenzie Falls. Wir nehmen einen Weg, der zunächst zu den Fish-Falls führt, immer entlang am MacKenzie-Creek. Auf diesem Wanderweg wird uns klar, dass Waldbrände in diesem Gebiet zum normalen ökologischen Zyklus gehören. Ein heftiges Feuer tobte im Januar 2006. Verkohlte Baumstämme in den Bergwäldern zeugen noch Jahre später von diesem Ereignis. Die Natur zeigt jedoch bald danach Zeichen der Regeneration. Viele der angekohlten Eukalyptusbäume treiben wieder kräftig aus. Einige Pflanzenarten sind zum Auskeimen sogar auf die Asche oder Wärme eines Feuers angewiesen.

Nach 4 km erreichen wir den MacKenzie Wasserfall. Das Wasser stürzt in mehreren Stufen hinab. Der indigene Name der Fälle lautet Mihunang wirab, was in etwa „Schwarzer Fisch an der Oberfläche des Wassers treibend“ bedeutet. Dies liegt unter anderem darin begründet, dass neben den hellen Felsen auch ein hoher Anteil an schwarzem Basalt in den Stufen vorkommt. Wir lassen die Kraft des Wassers und das kräftige Rauschen eine Zeit auf uns wirken und machen uns danach wieder auf zum Parkplatz Zumsteins.
Ein kleines Hüngerchen meldet sich und wir entschließen uns zu einer spontanen BBQ-Session. Dank der festen Grillstationen ist dies auch schnell erledigt. Danach fahren wir zur Campsite und lassen den Tag gemütlich an einem Lagerfeuer mit Wein ausklingen.
Am nächsten Morgen gesellen sich beim Frühstück ausnahmsweise keine Kängurus dazu, sondern zwei Emus. Krass! Emus wirken extrem beeindruckend. Zum einen durch ihren stechenden Blick mit ihren roten Augen und auch, weil sie ihren Hals ziemlich strecken können und auf einmal immer größer werden. Ein wenig Bammel hatten wir ja schon als die zwei Emus einem Meter neben uns stehen!

Wir nehmen Abschied von den Grampians und wechseln den Bundesstaat und fahren nach Westen, nach South-Australia. Der Roadtrip Richtung Nullarbor beginnt!

Habt ihr auch schon mit Emus gefrühstückt oder wart in den Grampians wandern? Was sind Eure Tipps zum Wandern in Australien? Schreibt es in die Kommentare!

1 Kommentar zu „Kraxeln im Grampians Nationalpark“

  1. Pingback: Carl versus Gustav - Der Campervanvergleich | wir woanders

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