Carl vs. Gustav – Unser Campervan-Vergleich

Unser persönlicher Campervan Vergleich in Australien

Carl gegen Gustav. Sie kannten sich nicht, sind sich aber bestimmt schon mal auf der Straße begegnet. Während unseres Roadtrips durch Australien, haben wir zwei verschiedene Camper in Anspruch genommen wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Dennoch hat es uns mit beiden unheimlich viel Spaß gemacht. Sie sind gute Gefährten und wir können beide Modelle empfehlen.

Nissan Elgrand aka „Carl“

Für den ersten Törn von Melbourne nach Perth sind wir mit Carl 5500 Kilometer in 21 Tagen gefahren. Es ging entlang der weltberühmten Great Ocean Road, durch die Einsamkeit der Nullarbor Plain und entlang der traumhaft schönen Küste West Australiens.

Schlafzimmer

Carl ist ein umgebauter Nissan Elgrand. Ursprünglich passten sechs Personen hinein, bei der zweiten Sitzreihe wurden allerdings die Rückenlehnen entfernt, so dass eine ebene Fläche entstanden ist. Diese kann man ausklappen und schieben, so entsteht eine Schlaffläche die durchaus bequem und bis zu eine Körpergröße von 175 cm komfortabel ist. Da Helge ungefähr 10 cm länger ist, musste er immer mit angewinkelten Beinen schlafen. Abstriche in der „B“-Note.

Eine weitere Schlafgelegenheit bietet sich im „Penthouse“. Dies ist eine Dachbox in der ein Aufstellzelt untergebracht ist. Die Box wird seitlich aufgeklappt und innen ist eine Matratze. Nun muss man nur die Bettdecken und Kissen hineinlegen und fertig ist das Schlafgemach. Allerdings: Es kühlt nachts arg aus, ist nicht wirlich winddicht und heizt sich während des Tages auf, sodass es in warmen Nächten auch mal stickig werden kann. Für zwei Personen ist das Penthouse auch recht schmal und niedrig. Man sitzt immer geduckt. Alles kein Drama und stellt für den Budget-Reisenden auch bestimmt kein Problem dar! Zum Eintritt ins Penthouse liegt eine schwere Klappleiter bei.

Wir haben das Bett eigentlich immer innerhalb von Carl genutzt und im Penthouse unsere Rücksäcke und andere Dinge untergebracht die wir nicht täglich benötigen. Das war ganz praktisch, auch wenn es eigentlich nicht erlaubt ist und man wirklich darauf acht geben sollte, dass die Box fest verschlossen ist und auch der Inhalt fixiert wird! Beides haben wir natürlich gemacht. Wir haben ja Spanngurte dabei.

Anekdote aus der Vergangenheit: Als wir unser Probepacken für die Weltreise gemacht haben, musste Helge sich diversen Spott und Hohn von Ilka anhören, was wir denn bitteschön mit drei Zurrgurten wollen! Mittlerweile sind alle drei mehr oder weniger täglich im Einsatz!

Küche

Der Kofferraum ist entfernt worden beziehungsweise hier befindet sich nun die Küche. Es gibt einen Kühlschrank (keine Kühlbox wie in vielen anderen Modellen!) und Abwaschbecken mit einem Pump-Wasserhahn. Darüber hinaus gibt es zwei Campingkocher die mit 500ml Gaskartuschen betrieben werden. Ein Kocher ist fixiert auf einer herausziehbaren Platte untergebracht. Der andere liegt im separaten Koffer bei. Ganz praktisch wenn es mal ein größeres Menü geben soll bei dem es zwei Flammen bedarf, allerdings auch etwas unpraktisch da man einen zweiten Stellplatz außerhalb der „Küche“ benötigt. Aber auch hier: Alles keine unlösbaren Hürden.

Wer die Gaskartuschen Kocher kennt, insbesondere die Budget Varianten, weiß auch, dass die Dinger keine Höchstleistungen vollbringen. So kann das Wasser kochen doch recht langwierig sein. Insbesondere an windigen Tagen. Hiervon hatten wir ein paar. Das draußen stehen zum Kochen und Frühstück zubereiten ist auch speziell an regnerischen Tagen sicher keine angenehme Zeit, aber durchaus machbar und kann auch aufregend sein, wenn Emus zu Besuch in der Küche vorbeischauen.

Cockpit

Carl ist kräftig mit sechs Zylindern ausgestattet und auch recht durstig. Er ist nun kein Sprinter, wie sein legendärer Namensvetter, aber auch nicht der Langsamste. Er verfügt über ein Automatikgetriebe, was wirklich super angenehm ist. Besonders in der Nullarbor, wo das Fahren recht eintönig ist ein tolles feature. Das Autoradio ist okay und unsere Playlist wird super über die sechs Lautsprecher wiedergegeben. Man merkt, dass Nissan mit dem Elgrand für den asiatischen Markt ein komfortablen Van herausgebracht hat. Die Sitze sind super angenehm und die Armlehnen wollen wir nicht mehr missen. Alles in allem das perfekte Langstrecken Mobil, kräftiger und leiser Motor und kaum Windgeräusche. Vier Becherhalter, die verschiedene Kaffevariationen aufnehmen können, gehören zum Standard.

Toyota Hiace 2+1 aka „Gustav“

Der zweite Törn führt uns von Brisbane nach Sydney. Für die 1600 Kilometer haben wir uns entspannte 10 Tage Zeit gelassen. Von der ebenen Küstenstraße bis zu steilen Serpentinen in den Lamington Nationalpark hat uns Gustav sicher gefahren.

Schlafzimmer

Gustav ist ein Klassiker. Ein Campervan der überall auf der Welt herumfährt (wenn es kein VW ist) und zwar ein Toyota Hiace 2+1, was bedeutet dass er Platz für drei Personen bietet. Eigentlich gibt es zwei Layouts, Tag & Nacht. Tagsüber können im hinteren Teil ein Tisch und zwei Sitzbänke zum Essen genutzt werden. Nachts wird die Tischplatte versenkt und bietet so eine ebene Fläche. Die Sitzpolster werden zusammengelegt und man bekommt eine Matratze die eine Schlaffläche für zwei Personen bietet. Mit 185 cm ist es auch für größere Personen völlig ausreichend, so lang man mit dem Kopf zur Kofferraumklappe liegt.

Die dritte Person findet im oberen „Stockwerk“ Platz. Hierzu kann die Schlaffläche mit einer Platte und Polstern zusammengebaut werden. Allerdings ist das maximale Gewicht Bis 75kg begrenzt. Auch ist die Kopffreiheit nicht grenzenlos. Für Kinder ist die aber überhaupt kein Problem. Wir haben viele Famielen getroffen und wenn es oben doch zu stickig wird, findet ein Kind bestimmt auch unten bei den Eltern Platz.

Die Fenster waren getönt und es gibt Vorhänge um das Schlafzimmer zu verdunkeln. Die hinteren Fenster können geöffnet werden und verfügen über ein Moskitonetz. Das war wirklich sehr praktisch in wärmeren Nächten.

Küche

Zwei Flammenherd, Abstellfläche und eine (unnütze) Mikrowelle sind in Gustav untergebracht. Pfannen, Töpfe und sonstige Utensilien finden in Schränken und Schubladen Platz. Hier zeigt sich der eigentliche Unterschied zwischen Carl und Gustav: Gustav ist ein waschechtes Wohnmobil, das auch über einen großen Frischwassertank mit elektronischem Wasserhahn verfügt. Ebenso gibt es einen Kühlschrank, das Abwasser wird nicht aufgefangen und nicht wie bei neuseeländischen oder europäischen Campern in den Abwassertank geleitet (self-contained). Das hat uns am Anfang doch irritiert, ist aber in Australien Standard.

Cockpit

Manuelles Getriebe! Nach der langen Zeit mit Carl und auch während unseres Roadtrips in Thailand doch ungewohnt. Die Schaltung ist ein wenig hakelig und die Gänge flutschen nicht immer. Tolles Feature beim Rückwärtsfahren: Es gibt eine Kamera mit Bildschirm im Innenspiegel! Sehr praktisch beim Einparken von Gustav mit seinen 5,10m Fahrzeuglänge. Der Motor mit seinen vier Zylindern ist etwas sparsamer als Carl, aber auch wesentlich träger, besonders bei bergigem Terrain. Der Fairness halber: Mit Carl sind wir selten bis gar nicht solche Strecken wir mit Gustav gefahren… Auch wird der Motos bei zügiger Fahrt (90-100 Km/h) lauter und auch die Windgeräusche sind lauter als bei Carl. Das Autoradio ist okay, aber kein Highlight. Becherhalter gibt es auch für zwei mittlere Kaffeevariationen.

Fakten, Fakten, Fakten

Reden wir Klartext: Wir haben beide Kontrahenten in einer Übersicht gegenüberstellt. Fünf Sterne entsprechen dem Maximum und wurden von keinem erreicht. Zur Erklärung: Wir waren vor drei Jahren in den USA mit Herman (von den Monsters, da er so riesig war) unterwegs. Herman ist somit die Benchmark und stellt alles bisher dargewesene in den Schatten.

Fazit - Carl vs. Gustav

Beide, Carl & Gustav sind super Reisemobile. Carl verkörpert definitiv keinen Luxus und ist die Budget Variante. Ein Arbeitstier mit dem es Spaß macht zu cruisen. Da wir unseren Australien Roadtrip recht spontan geplant haben, war Carl auch die einzige Möglichkeit um von Melbourne nach Perth zu kommen. Jedenfalls in der Zeit (21 Tage) und vor allem innerhalb des Budgets. Wie dem auch sei: Es hat mit Carl unheimlich viel Spaß gemacht und wir hatten eine tolle Zeit. Lediglich das Kochen unter dem Kofferraumdeckel war sub-optimal. Dazu kommt auch der Umbau zum schlafen, der bei Carl zwingend notwendig ist. Bei Gustav haben wir immer die sogenannte Nachtkonfiguration gelassen, da das Wetter meistens für draussen geeignet war. An regnersichen Tagen kann man sich aber auch im Bett sitzend bequem machen. Kein Problem!

Tisch und zwei Falt-Stühle hatten wir bei beiden an Bord und sind für uns unverzichtbar. Teilweise muss man beim Vermieter hierfür extra bezahlen und auch die Extras separat buchen – erkundigt Euch vorher. Ebenso verfügen beide über ein duales Batteriesystem. Sprich Motor und die Energie des täglichen Bedarfs (USB Buchsen, Leselampen, etc.) laufen über eine getrennte Batterie, die während der Fahrt aufgeladen wird. Wir haben noch dazu einen Inverter dabei, der die Spannung von 12, auf 220 Volt umwandelt. Somit konnten wir Laptop und Fotoapparate aufladen und waren autark von externen Energiequellen. Wollte man die zusätzlichen Steckdosen oder gar die Mikrowelle bei Gustav nutzen konnte man externen Strom über die außenliegende Steckdose zuführen. Campingplätze werden in Australien (und auch sonstwo) zwischen powered und non-powered, was sich im Übernachtungspreis niederschlägt, unterschieden.

Seid ihr auch mit einem Wohnmobil durch die Gegend gecruist? Was war Eure liebste Strecke und Modell? Wenn ihr Fragen zu den unterschiedlichen Vermietern habt schreibt uns gerne! Viele Vermieter sind aufgeteilt von der Budget- bis zu Luxus Range! Wir haben uns mit vielen Vermietern unterhalten und können sagen, dass wir einen guten Überblick haben.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.