Strandtag und Delfine
Am nächsten Vormittag ist es aber soweit: Wir fahren wirklich weiter, auch wenn wir es eigentlich nicht möchten. Denn: Leider neigt sich unsere Zeit im Camper langsam dem Ende entgegen und wir müssen uns langsam in Richtung Auckland auf den Weg machen, wenn wir ohne Stress und endloses Fahren dort ankommen wollen, denn so ein „Kilometerfressen“ wie vor vier Tagen machen wir nicht noch einmal! Kurz hinter Taipa kommen wir an dem kleinen Küstenörtchen Cable Bay vorbei. Genau hier haben wir vor vier Tagen auch gestanden. Allerdings bei düsteren Wolken, heftigem Wind und Wellengang. Heute bei Sonnenschein sieht alles ganz anders aus. Weniger rau und mehr wie ein mondänes Örtchen. Auf dem State Highway 10 an der Küste entlang nach Süden, biegen wir bald in Richtung Whangaroa links ab. Dort tun wir mal wieder was für unsere Fitness und erklimmen die St. Paul Rocks. Die Strecke ist mit 2 Kilometern nicht gerade lang und anfangs auch nicht schwierig. Nur das letzte Stück geht es steil bergauf und die im Fels verankerten Ketten nutzen wir gerne um die letzten Meter hochzukraxeln. Die Aussicht ist der Hammer und wir sind ganz allein hier oben während wir die Sonnenstrahlen genießen. Ein super Zwischenstopp um sich die Beine zu vertreten.Von Kauris und unerwarteten Gastgebern
Nichts desto trotz ist es so, dass der Zugang zu einer Māori Familie für einen Māori einfacher ist. Man spricht auf einer anderen Ebene miteinander. Wir sitzen gemütlich mit herrlicher Aussicht von der Terrasse über das Tal von Kerikeri und verbringen eine zwanglose und herrliche Zeit. Zusammen helfen wir ein wenig beim Zubereiten des Abendessens bzw. des Nachtisches. Wobei Perepe es sich nicht nehmen lässt den Kingfish standesgemäß zu präsentieren und anzurichten. Der Yellowtail-Kingfish (Gelbschwanzmakrele) wurde natürlich selbst gefangen und wird zusammen mit einer Art Kurkuma-Sauce gedünstet. Bei Geschichten die von Traditionen und Zusammenhalt der Gemeinschaft handeln wird uns auch angeboten mit Bronto direkt neben dem Haus zu übernachten. Das würde ja das Frühstück einfacher machen. Darüber hinaus würde uns Belinda am nächsten Tag allzu gerne die Umgebung von Kerikeri zeigen. Dumm, wer hier ablehnen würde, oder?
Belinda ist vor über 15 Jahren in Neuseeland „hängengeblieben“ – wie das Leben halt so läuft, wenn man die Liebe zu einem Kiwi findet, oder dem Land. Am besten aber beides. Am nächsten Morgen fahren wir mit Belinda durch die Gegend und wandern unter anderem zu einem kleinen versteckten Wasserfall und durch Wälder. In Kerikeri befindet sich unter anderem das älteste Steinhaus in ganz Neuseeland. Zum Abschluss fahren wir noch zu den Rainbow Waterfalls, bevor wir nun aber wirklich zu den treaty grounds in Waitangi fahren. Belinda könnte uns für über eine Woche allein die Umgebung von Kerikeri zeigen und sie hat bereits einen Sightseeing-Plan für uns. Hoffentlich können wir den beim nächsten Besuch verwirklichen. Nach einer herzlichen Verabschiedung machen Ilka, Helge & Bronto sich auf den Weg nach Waitangi. Das Museum und die Treaty Grounds
Wer war der erste der dieses Land betreten hat?
Woher kommt der Name Aotearoa?
Der Vertrag von Waitangi – Gründungsdokument einer Nation mit Missverständnissen
Ein Vertrag wurde aufgesetzt und übersetzt. Nach eintägiger Debatte wurde der „Treaty of Waitangi“ am 6. Februar 1840 hier in Waitangi in der Bay of Islands unterzeichnet. Dreiundvierzig Northland-Häuptlinge unterschrieben den Vertrag noch am gleichen Tag. Mehr als 500 Māori-Häuptlinge unterzeichneten innerhalb der nächsten acht Monate, in denen der Vertrag überall im Land vorgestellt wurde. Der im Jahre 1840 unterzeichnete „Treaty of Waitangi“ ist ein Abkommen zwischen der britischen Krone und den Māori. Fortan basierte Neuseeland auf britischem Recht, während den Māori die Herrschaft über ihr Land und ihre Kultur garantiert wurde. Den Māori werden mit diesem Vertrag die gleichen Rechte zugesprochen wie den Briten. Dies war vorher nicht der Fall! Der Vertrag wird als Gründungsdokument Neuseelands betrachtet. Allerdings hat es seit seiner Unterzeichnung immer wieder Probleme bei der Auslegung des Vertrags gegeben. Denn: Sowohl die englische als auch die Māori-Version des Vertrags besteht aus drei Abschnitten. Nun, der Vertrag wurde von Menschen aufgesetzt sowie übersetzt, die wenig oder gar keine Erfahrung mit Gesetzestexten hatten, darüber hinaus weicht die Übersetzung der Māori weit von der Interpretation der englischen Version ab. Unterschiede in der Auslegung des Vertrages waren und sind noch bis heute spürbar, unvergessen ist der Māori Landmarsch von 1975. Ein Protestmarsch der 29 Tage andauerte und die Māori für Ihre Landrechte und gegen weitere Enteignungen, Landnahmen und Verkäufe von Māori-Land protestierten. Unter dem Motto „Not One More Acre of Māori-Land” führte dieser Marsch von Te Hapua im hohen Norden bis nach Wellington. Als Folge wurde 1975 das Waitangi Tribunal gegründet um offene Streitfragen zu schlichten und es steht für den Beginn des Māori Land Rights Movement.
Zeitmaschine im Marae – Pakeha meets Māori
Wir sollen einen Rädelsführer wählen der den direkten Kontakt zum Chef, dem Oberhaupt des Iwis herstellt. Sämtliche Kommunikation wird zwischen den beiden Chefs geführt. Als das nun geklärt ist, werden wir mit martialischen Gesang und Tanz begrüßt. Die Haka!
Bei alledem haben wir das Gefühl, dass hier nicht einfach eine Show „abgezogen“ wird, vielmehr das Gegenteil! Die Leute haben wirklich Spaß an dem was und wie sie es tun. Besonders bei dem Gesang einer der weiblichen Darsteller kommen die Gefühle nicht zu kurz. Nachdem die Show vorbei ist, können wir noch Fragen stellen, das lassen wir uns nicht nehmen. Nach der langen Zeit hier in Neuseeland haben wir einen Sack voller Fragen…
Ngāpuhi Waka Taua - Das Kriegskanu
Im hinteren Teil des Unterstandes befindet sich auch der Stumpf von einem der drei Kauri aus dem das große Kanu hergestellt wurde. Historisch sind sie mit Flachsseilen zusammengezurrt. Sobald es nass ist, schrumpft das Seil und zieht die aufquellenden Holzteile zusammen. Mit einer Länge von 35 Metern und einem Gewicht von 6 Tonnen im trockenen- und ganze 12 Tonnen im nassen Zustand ist dieses „Kriegs-Kanu“ auf viele Besatzungsmitglieder angewiesen. Unvorstellbar. Die wohl berühmtesten Gäste an Bord waren Charles und Diana, der Prinz und die Prinzessin von Wales, während ihrer Neuseeland- und Australien-Tour 1983.Fix & Foxi: Uns raucht allmählich der Kopf nach drei Stunden Input, die super kurzweilig waren, und wir machen uns auf die Weiterfahrt!
haere rā Waitangi & haere mai Whananaki
Nach dem Frühstück bringt Bronto uns zur Whananaki Footbridge. Dies ist angeblich die längste hölzerne Fußgängerbrücke der südlichen Hemisphäre. Na dann! Das Wetter ist schön und die Landschaft um uns herum auch. Für einen Fotostopp wunderbar. Das haben Australien und Neuseeland unter anderem gemeinsam: Die Definition von das größte/schönste/seltenste der südlichen Hemisphäre wird gerne mal als benchmark genommen. So auch bei dieser unscheinbaren, zweifellos einfachen Fußgängerbrücke. Etwas wackelig und beim deutschen TÜV zu 100% abgelehnt, erfüllt sie aber ihren Zweck und das ist doch das wichtigste!
Belindas Sightseeingtour in Whangarei
In Whangarei befolgen wir Belindas Sightseeing Empfehlung und fahren zum Canopy Walkway. Der Baumwipfelpfad ist mitten im A H Reed Memorial Park gelegen. Es ist faszinierend wie schnell sich manchmal grüne Parks und Städte abwechseln und wie schnell Verkehrsgeräusche von Vogelgezwitscher abgelöst werden. Dieser Lehrpfad über die heimische Flora und Fauna gibt sehr eindrucksvoll die gewaltigen Kauri Bäume wider. Nicht spektakulär, aber darum geht es doch auch nicht immer, oder?
Allzu gerne würden wir noch einen weiteren Tipp wahrnehmen: Das Native Bird Recovery Center öffnet heute leider erst am späteren Nachmittag. Deshalb müssen wir auf den tagaktiven Kiwi und den sprechenden Tui leider verzichten. Auch hätte Helge gerne seine Fähigkeiten als Tui-Imitator ausgebaut. Schade! Doppelt schade ist die Tatsache, dass wir nun tatsächlich auf dem Weg zu dem letzten gemeinsamen Übernachtungsplatz mit dem guten alten (trägen und sorgenvollen) Bronto sind.
Gute Nacht Helge. Gute Nacht Ilka. Gute Nacht Bronto.
Am nächsten Morgen packen wir stiller als sonst unsere Sachen und machen Bronto bereit für seine letzte Ausfahrt mit uns. Mit viel Schaum und heißem Wasser wird der geschichtsträchtige Dreck der letzten 50 Tage abgewaschen und ausgesaugt. Der Motor bekommt seine letzte Ölung und los geht’s zum Wendekreisen Depot in Auckland.
Vorher fahren wir allerdings noch zu unserer AirBnB-Bleibe in St. Heliers vorbei um unsere Rücksäcke und Vorräte abzugeben. Die Übergabe wird natürlich kein Problem, wir berichten nochmal über unsere Herausforderungen von Bronto, die uns manchmal zu dem einen oder anderen Umweg getrieben haben. Aber so ganz ohne Eigenleben ist ein etwas betagter Camper doch auch langweilig, oder? Obwohl: Auf das ein oder andere Erlebnis hätten wir verzichten können J Und zum Schluss war dieser Roadtrip der absolute Wahnsinn mit ganz vielen neuen Ideen, was wir (hoffentlich!) beim nächsten Besuch in Aotearoa machen können! Hach!

Pingback: Fazit Neuseeland | Reisetipps und Camping | wir woanders