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Iquitos Titel

Iquitos am Amazonas von Peru

Nach der langen Anreise per Schiff aus Yurimaguas freuen wir uns auf Iquitos! Die Stadt mitten im Amazonas. Im ersten Vergleich herscht hier auch ein anderes Flair als in den anderen Orten, die wir bisher in Peru erkundet haben! Wir freuen uns auf tolle Erlebnisse hier und am Amazonas – Auf geht’s!

Bienvenidos a Iquitos

Iquitos city center Unser Hostel in Iquitos, das Hospedaje Neydita, entpuppt sich als absoluter Glückstreffer. Gleich gegenüber liegt der Plaza Sargento Lores. Der Besitzer Luis kümmert sich extrem herzlich um seine Gäste. Es gibt gefiltertes Wasser gratis und die Küche ist super ausgestattet. Wenn Luis Zeit hat setzt er sich zu seinen Gästen und unterhält sich, gibt Tipps oder hilft bei Planungen oder Übersetzungen. Ursprünglich kommt er aus Lima und pendelt tatsächlich häufig. Wenn er nicht da ist, kümmert sich die Señora um die Geschicke des Hostels.

Iquitos city center Nachdem wir unser komfortables Doppelzimmer mit eigenem Bad bezogen haben, schlendern wir über den Plaza gegenüber und kaufen uns zum Abendessen ein Juanes de arroz. Diese Reisbombe mit Kräutern, Huhn und Ei im Palmenblatt gegart schmeckt ausgezeichnet. Völlig KO von der langen Anreise fallen wir in unser Bett und lauschen dem Ventilator… Ohne geht’s nicht!

Sightseeing in Iquitos

iquitos Wie stellt Ihr Euch eine Stadt inmitten des Dschungels vor – eine Stadt, die ausschließlich per Boot oder Flugzeug zu erreichen ist? Abgeschnitten von jeglicher Außenwelt, kein Internet, mangelnde Versorgung an Lebensmitteln, Medikamente und Straßen aus Matsch? Nun, die Realität ist verrückt, denn tatsächlich ist Iquitos eine Großstadt mit hektischem Verkehr, riesigen Märkten und einer Innenstadt mit Geschäften für allerlei Elektronikgeräte.

Eine Anomalie, denn es gibt eigentlich wirklich alles, was sehr beeindruckend und absurd zugleich ist. Im Supermarkt entdecken wir eine verflucht große Auswahl an Müsli, italienisches Tafelwasser, Tiefkühl-Lasagne… Man muss sich immer wieder vor Augen halten, dass ALLE Produkte, die in oder um Iquitos nicht angebaut oder gefischt wurden, auf kleinen Fracht-Schiffen langsam hergeschifft wurden. In Iquitos leben circa 450.000 Menschen. Die Stadt ist in verschiedene Bezirke aufgeteilt. Unter Reisenden ist vor allem Belen bekannt. Der Stadtteil beherbergt einen riesigen Markt auf dem es alles zu kaufen gibt. Außerdem steht ein Teil von Belen während der Regenzeit komplett unter Wasser – die Menschen leben in schwimmenden oder Stelzen-Häusern – das Floating Village!

Iquitos nutzen viel Reisende als Basis für Erkundungstouren in den Amazonas Regenwald, so auch wir. Von Iquitos aus starten wir eine 3-tägige Dschungeltour. Darüber erfahrt ihr alles hier, im nächsten Post, aber der Reihe nach:

In Iquitos sind Eiffel und Fitzcarraldo allgegenwärtig

Ab den 1880er-Jahren machte der Kautschuk Iquitos reich, Gummibarone wie Carlos Fermín Fitzcarrald ließen sich pompöse Villen an die Uferpromenade bauen. Die Jugendstilfassaden sind heute zum Teil restauriert und dort befinden sich jetzt schöne kleine Cafés und Geschäfte, wie auch das Ethnografie-Museum.

An der Plaza de Armas steht noch die Casa de Fierro. Das Eisenhaus wurde von Gustave Eiffel entworfen und Stück für Stück in den Urwald Perus verschifft. 1890 war es dann komplett und es wurde eingeweiht. Das zweigeschossige, abgeflachte Bauwerk findet man an der südöstlichen Ecke des Hauptplatzes und es ist nur einen Häuserblock vom wuchtigen Amazonasfluss entfernt. Eiffels Eisenhaus ist komplett aus Metall gefertigt, ohne Zusatz von Holz oder Stein. Nur Eisen.
Nachdem der Kautschukreichtum vorbei war, entdeckte man Öl, die Holzindustrie florierte und nur der Tourismus ist die Konstante der Gegenwart. An der Promenade Malecón Maldonado setzen wir uns in das „Dawn On The Amazon Café„. Hier soll es das stabilste Internet in Iquitos geben. Gegen Verzehr auch frei nutzbar. Viel wichtiger ist für uns aber etwas Kühles zu trinken und die hauseigenen Smoothies können wir wirklich empfehlen!

Wie klein die Welt doch ist merken wir in diesem Moment mal wieder: Die drei Schweizer, die mit uns im Bus nach Huaraz gesessen haben, spazieren an unserem Tisch vorbei. Sie sind auf der Suche nach einem guten, verlässlichen Anbieter für eine Tour in den Urwald. Den drei Jungs kann geholfen werden. Durch Zufall haben wir Christoph Meyer kennengelernt, der seit 5 Jahren mit seiner peruanischen Frau in Iquitos lebt und Touren in den Dschungel anbietet. Da Christoph auch gebürtiger Schweizer ist, war für die drei klar mit ihm Kontakt aufzunehmen. Ob wir uns nochmal wieder treffen werden?

Belen-Markt

Belen Markt Iquitos Belen, das ist das bekannte Viertel aus Pfahlhäusern, welches auch das „Venedig Perus“ genannt wird. Von Januar bis März steht das Hochwasser in den Gassen, das war’s auch an Gemeinsamkeiten. Nach den historischen Fassaden vom Malecón wandelt sich das Stadtbild abrupt. Ein gigantischer Markt aus endlosen Bretterverschlägen breitet sich in den engen Gassen nach Süden hin aus. Früchte und Gemüsesorten unterschiedlichster Art, Farbe und Form liegen auf Tischen, dazu Fleisch und Fisch aus der Amazonas-Region so weit das Auge reicht.

Die schwüle Luft verstärkt die intensive Mischung der Düfte aus Waren, Schweiß und Undefinierbaren. Etwas weiter riecht es nach Kräutern und fremden Gewürzen: Medizinische Pflanzen und in der Kultur der Indios gebräuchliche Heilmittel liegen hier bereit. Es gibt eigentlich für jede Krankheit oder auch den Wunsch nach Glück oder einer schönen Frau ein pflanzliches Heilmittel. Viele der Stände haben Schädel von Tieren, als Knochen oder noch mit Haut, in den Auslagen liegen. Diese stehen nicht zum Verkauf sondern sollen Glück und gute Geschäfte bringen. Auf das Wohl von lebenden Tieren wird hier leider wenig Wert gelegt. Von Faultieren bis zu kleinen Affenbabies, die an kurzen Leinen gehalten werden findet man alles.
Vorsicht ist, wie auf allen Märkten, auch hier geboten. Die Gassen werden immer enger und voller, plötzlich merke ich (Helge) eine „dritte“ Hand in meiner Hosentasche, die allerdings nichts vorfinden wird, denn vorsorglich habe ich sämtliche Gegenstände in Rucksack oder Hüfttasche verstaut. Und ein ähnlicher Vorfall wie in Puno soll sich bitte nicht nochmal ereignen. Freundlich aber bestimmt ziehe ich die Hand aus meiner Tasche und schüttel nur meinen Kopf…

Floating Village

Vom eigentlich Belen-Markt ist es auch nicht mehr weit zum Floating Village. Die Häuser in dieser Gegend sind 2-stöckig. Das untere Stockwerk kann nur in der Trockenzeit genutzt werden, da es in der Regenzeit unter Wasser steht. Dieser Teil floating village Belen Iquitos der Stadt ist in einem stetigen Wandel. Während es in der Trockenzeit Straßen gibt, auf denen Tuktuks fahren, ist in der Regenzeit das Boot das einzige Transportmittel. Wir befinden uns aktuell in der Trockenzeit und können unter den Häuser hindurchgehen, auch hier befindet sich ein kleiner Markt. Die Anzahl an exotischen Haustieren nimmt zu.

Die schwimmenden Häuser haben eine einfache Konstruktion zum Schwimmen: Es handelt sich um Holzhütten unter die Baumstämme geschoben werden, damit sie schwimmen. Es leben tausende Menschen in diesen Häusern. Ein Lebensweise in Armut und zwischen Abfällen. Am Ufer stehen wir selbst auf Schichten aus Müll. Essensabfälle, Plastikmüll. Der Gestank ist unglaublich. Einige Männer bieten uns eine Bootsfahrt auf dem Fluss an. Einmal rauf und wieder runter. Wir lehnen dankend ab. Der Fluss spielt eine enorme Rolle im Leben der Menschen. Er wird zum Waschen und Duschen genutzt, ist Abfluss für Toilette und Müll sowie alltäglicher Lebensraum und Nahrungsquelle. Es ist unglaublich. Auf dem Rückweg vom Floating Village müssen wir allerdings wieder vorlieb mit einer negativen Begebenheit machen:
floating village Belen Iquitos Kurz bevor wir eine große Steintreppe am Markt erreichen, kommt uns ein jüngerer Typ entgegen und geht an uns vorbei. Doch plötzlich greift er in mein Gesicht und zieht meine Sonnenbrille vom Kopf, rennt los und verschwindet zwischen den Stelzenhäusern. Geschockt und paralysiert stehen wir da. Menschen, die diesen Vorfall mitbekommen haben lachen uns an oder aus. Was genau, wissen wir nicht. Das war aber auch die einzige Reaktion.

Wir können gar nicht so schnell begreifen was gerade passiert ist. Dass es Langfinger im Gedränge auf Märkten gibt, damit rechnen wir. Dass Dir jemand die Sonnenbrille direkt vom Kopf klaut, das ist heftig! Dennoch ist der Belen Markt und das angrenzende Floating Village auf jeden Fall einen Besuch wert! Man sollte nur nicht überrascht sein, was man dort alles finden kann!

EXPO Amazonica 2019

Iquitos Expo Amazonica Heute ist Expo Tag! Eigentlich schon seit Donnerstag und heute ist der letzte Tag und wir sind dabei! In diesem Jahr ist Iquitos der Gastgeber. In dieser Ausstellung werden regionale Produkte jeglicher Art präsentiert. Diese Ausstellung wird von der peruanischen Regierung gefördert und soll die Möglichkeit bieten Produkte, Dienstleistungen und Innovationen aus der Amazonas Region für eine breite Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dazu gehört natürlich auch der Tourismus und Produkte wie Kaffee, Schokolade der ländlichen Bevölkerung im Amazonas Gebiet sowie die Küche des Dschungels als Nahrungsquelle. Abfallvermeidung und Mülltrennung werden auf einfache Weise erklärt. Seit 2011 gibt es die Expo Amazonica und die erste wurde in Tarapoto eröffnet. 2020 wird das Department Amazon die Expo austragen. Die gastgebende Stadt ist allerdings noch nicht nominiert worden.
„Leider“ ist heute ein sonniger Tag und auf dem Gelände herrscht so gut wie kein Lüftchen. Es ist stickig und die vielen Menschen sorgen nicht gerade für Abkühlung. Es macht Spaß über das Gelände zu gehen und teilweise die ein oder andere Unterhaltung zu führen. Interessant sind vor allem die verschiedenen Kaffeestände, die ihre Produkte anbieten. Zum Beispiel die Kooperation Aprysa, die in der Amazonas-Region Kaffeebohnen für Fairtrade-zertifizierten Kaffee in Bio-Qualität anbaut. Ziel ist die Stärkung der Kleinbauern in den Regionen Cajamarca, Iquitos Amazonica Expo Piura und Amazonas. Während Helge sich verschiedene Espressi zubereiten lässt, schlemmt sich Ilka durch verschiedene Kakao-Produkte, vor allem die Eisvariationen haben es ihr angetan. Interessant sind die Klima-smarten Varianten, die zum Beispiel von der Rainforest-Allianz kontrolliert und zertifiziert werden. Die verheerenden Feuer im Amazonasgebiet sind leider auch ein großes Thema. Aufklärung und Kooperationen zu Unternehmen, lokale und indigene Gemeinschaften oder NGOs sind der mühselige Schlüssel um auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten: den Amazonas zu schützen.

Zurück im Hostel…

…kochen wir am Abend und packen unsere sieben Sachen für die bevorstehende Tour mit Christoph. Zum Glück können wir unsere großen Rucksäcke im Hostel lassen, wir kommen ja eh wieder. Anschließend sitzen wir noch eine Zeit mit einigen anderen Gästen und Luis zusammen, der uns noch auf eine Ananas einlädt. Quasi als Wiedergutmachung für die Sonnenbrille. Super nett!

Im nächsten Beitrag werden wir über unsere Abenteuer im Dschungel berichten. So viel vorab: Es wird genial und tierreich werden.

Wie waren Eure Erfahrungen in Iquitos und wie seid ihr dorthin gekommen?

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